Freitag, 6. April 2018

Zum "Wohin gehst du. Katholische Kirche?-Kongress in Rom

Marco Tosatti veröffentlicht bei Stilum Curiae einen Brief, den der Neffe Kardinal Caffarras an den Herausgeber  der Zeitschrift "Famiglia Crisriana" geschrieben hat.
Hier geht´s zum Original: klicken

"KIRCHE WOHIN GEHST DU? 
UNVERÖFFENTLICHTER BRIEF VOM NEFFEN VON KARDINAL  CARLO CAFFARRA."

"Morgen Nachmittag findet in Rom in Church Village, Via della Torre Rossa, der Kongress "Katholische Kirche wohin gehst du?" , über den wir schon mehrmals gesprochen haben, seit er in Planung ist, Der Eintritt ist frei, man muß sich nicht anmelden.

Teilnehmen werden die Kardinäle Brandmüller und Burke, Msgr. Athanasius Schneider und andere Redner, die über verschiedene Themen sprechen werden, die sich alle um um die Verwirrung und Desorientierung drehen, die viele in der Kirche erleben.
Unterzeile des Titels des Kongresses ist ein Satz von Kardinal Caffarra aus einem seiner letzten Interviews: "Nur ein Blinder kann leugnen, daß es in der Kirche große Verwirrung gibt."
Gerade erst gestern hat Kardinal Burke, Präfekt der Apostolischen Signatur, in einem Interview mit "La Nuova Bussola Quotidiana" gesagt, daß die Kirchenautorität -einschließlich des Pontifex- zu korrigieren, eines der höchsten Gebote von Gehorsam und Treue sind.

In  dem Augenblick, in dem diese Begegnung zur Erinnerung an Kardinal Caffarra stattfindet, hätte der vor kurzem verstorbene Purpurträger sicher gewünscht, daß der Brief, den ein Familienangehöriger an "Famiglia Cristiana"  geschickt hat veröffentlicht werde, der -so wie wir glauben,  bisher nicht auf den Seiten der Paolini-Wochenzeitung erschienen ist.



Hier die kurze Einleitung: 

"Ich denke, daß ich auf ruhige aber entschiedene Weise weitgehend akzeptable Meinungen geäußert habe. Ich bin immer mehr davon überzeugt, daß die Weigerung der Zeitschrift, des Kardinals zu gedenken, ein schwerer Fehler war. Als Verwandter (mein Vater war ein Cousin des Kardinals) und als ehemaliger Schüler des lieben Kardinals, fühle ich mich verpflichtet, meine Enttäuschung öffentlich auszudrücken."
Antonio Caffarra

Und hier ist der Text:

                                   "Gentile Direttore,

ich bin seit vielen Jahren Abonnent von Famiglia Cristiana.
Ich erlaube mir, Sie als Verwandter des betrauerten Kardinal Caffarras, Metropolitan-Erzbischof em. von Bologna zu bemühen, der uns vor 6 Monaten unvorhergesehen verlassen hat.

Von 2004 bis 2015 hat er die Kirche von Bologna geführt, von 1995 bis 2004 jene von Ferrara-Comacchio.

Als der Papst ihn zum Erzbischof von Ferrara ernannte, war er gezwungen, schweren Herzens die Präsidentschaft des Päpstlichen Johannes Paul II Institutes hinter sich zu lassen, das er gegründet hatte, und dessen Präsident er damals war.

Dieser Bischof, "der mit Freude dem Evangelium gedient und die Kirche intensiv geliebt hat" - das sind Worte von Papst Franziskus- hat große Teile seine Dienstes Familie und Ehe gewidmet.

Der Hl. Johannes Paul II und Papst Benedikt XVI schätzten ihn sehr und haben ihn mit ihrem Vertrauen und ihrer Freundschaft geehrt.

Wegen seiner vielen pastoralen Aufgaben waren meine Begegnungen  mit ihm nicht zahlreich, aber ich erinnere mich mit großer Freude daran. Auf einfache Weise sprachen wir auch über seine Beziehung zum polnischen und deutschen Papst- und das erst, nachdem er mehrmals von mir dazu gedrängt wurde.

Er hat nie eine Gelegenheit versäumt, an das kleine Dorf Samboseto di Busseto, in dem er geboren wurde, zu erinnern: wenig mehr als hundert Seelen, wenige Kilometer vom Geburtshaus Giuseppe Verdis entfernt.
Giovannino Guareschi, der Erfinder von Don Camillio, hat auch in dieser Gegend gelebt, und hat sie zu einem Teil seiner Geschichten gemacht, 
Besonders in seinen Predigten liebte es der Kardinal, der immer ein Buch Guareschis auf seinem Nachttisch liegen hatte, die kleine aber wirksame Theologie von Guareschis Don Camillo zu zitieren und  das- welch ein Zufall- hat vor kurzem auch Papst Franziskus getan. 

Sein unerwarteter Tod hat mich dazu gebracht, mich mit etlichen Erklärungen Kardinal Maradiagas in einem Interview zu beschäftigen, das in Ausgabe 30/2017 in der von Ihnen geleiteten Zeitung erschienen ist.

Im Hinblick auf "Amoris Laetitia" behauptet der lateinamerikanische Kardinal daß "wer Zweifel daran äußert, den Text nicht oder schlecht gelesen hat. Die Dubia stellen einen unnötigen Streit dar."

Ich bin überzeugt, daß Maradiaga Caffarra nicht gut kannte, der als Moraltheologe seine Meinungen immer nach einem genauen, ernsthaften und dokumentierten Studium geäußert hat.
Wie mir scheint, würde es genügen, das bekannt zu machen, was Kardinal Bagnasco, Erzbischof von Genua und Präsident der Italienischen Bischofskonferenz, "im Namen des gesamten Kardinalskollegiums" bei der Trauermesse gesagt hat:"Jedesmal, wenn Kardinal Caffarra bei einer der Ratsversammlungen oder Generalversammlunen der CEI zu Wort meldete, wurde es ganz still: eine Stille nicht der Abwesenheit oder Ablenkung sondern einer großen Hörbereitschaft, von Interesse und Respekt. Weil Erzbischof Carlo diese Fähigkeit hatte, die Fragen zu durchdringen und das Wesentliche zu erfassen, und alles auszulassen, was ein zweitrangiges Hindernis  sein konnte, um zum wahren Kern vorzudringen. Und diese Fähigkeit haben wir alle, die das Glück hatten, ihm zuzuhören, wahrgenommen."

Und plötzlich ist der Kardinal "der die Fähigkeit besaß, Fragen zu durchdringen und deren Wesen zu erfassen" oberflächlich geworden und urteilt über ungelesene Dokumente?

Ich glaube nicht, daß dem Papst gegenüber-nach einer tiefen und aufmerksamen Überlegung über Amoris Laetitia Zweifel auszudrücken,  gegen die Pflichten eines Kardinals zur Zusammenarbeit mit dem Pontifex verstößt, die jeder Kardinal hat.

Beüglich der Lehre war er präzise und rigide, aber er liebte es, zu wiederholen und dabei Papst Pazl VI zu zitieren, daß "Beichtstuhl jeder Priester Papst ist" und der Beichtvater die Pflicht hat, den Sünder mit offenen Armen zu empfangen und barmherzig mit ihm zu sein, nachdem er ihn an die Lehre der Kirche und die Worte des Evangeiums erinnert hat."

Wenn man den schönen Beitrag und sogar das Titelbild sieht, den Sie Kardinal Tettamanzi anläßlich seines Todes gewidmet haben, und daß Sie weder in Ihrem Bericht über den Besuch des Papstes in Bologna einen Monat nach seinem Tod noch sonst an Kardinal Caffarra erinnert haben, hat mir wehgetan.

Es hat mir wehgetan,, weil ich Ihre Zeitschrift schätze, aber andereseits auch den Kardinal liebe.
Als ich als Kinderarzt arbeitete, sagte er immer: "Wir arbeiten beide für die Familie. Du beschäftigst dich mit den Kindern, ohne die Eltern zu vernachlässigen, ich mit den Eltern, damit sie in der Familie ein Klima schaffen, das am besten zu einem harmonischen und christlichen Heranwachsen paßt."

Von einer Zeitschrift für christliche Familien hätte ich ein solches großes Schweigen nicht erwartet.

Ich sage ja nicht eine Erinnerung an seine große Arbeit über die Ehe und Familie aber wenigstens eine zu seinem Tod wäre meiner Meinung nach fällig gewesen. Auch weil, noch bevor er Papst Franziskus kennenlernte. Kardinal Caffarra in pastoraler Hinsicht bereits in perfekter Übereinstimmung mit ihm war, sein 1995 gewähltes Motto als Bischof von Ferrara war: "NUR DEINE BARMHERZIGKEIT:"

Kardinal Elio Sgreccia, emeritierter Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben hat kürzlich bei Avvenire erklärt: "Ich hatte zwei Lehrer, Tettamanzi und Caffarra" 
Eine Aussage, die umso bedeutender ist, wenn wir bedenken, daß er gut 10 Jahre älter ist als Tettamanzi und Caffarra!! So "Wir, Familie und Leben" monatliche Beilage von Avvenire im Oktober 2017".

Viele Zeitungen, die über seinen Tod berichtet haben, haben zu viel Aufmerksamkeit nur  auf die Dubia gelegt, vielleicht um denen entgegen zu kommen, die sein Verschwinden betrauern, und denen die schon begonnen haben, ihm ein treues Andenken zu  bewahren.


Lorenzo Bertocchi und Giorgio Carbone O.P. haben begonnen, die Werke Caffarras in Bologna zu sammeln, die Reden und Predigten aus der Bologneser Periode des Kardinals.So ist das schöne Büchlein "Kurze Predigten, lange Tagliatelle, Hinweise für die Seele" entstanden, das sehr erfolgreich ist.

"Als Hirte hat er darauf geachtet, den Schafen nicht bei ihrem Ausrutschen zu folgen, sondern sich bemüht, sie zu führen. Wie ein Vater." so stellen die Autoren der schönen Veröffentlichung das pastorale Handeln des Kardinals dar. 

Auch wenn es lange dauern wird, bin ich überzeugt, daß die schüchterne und demütige -und gleicherzeit starke Persönlichkeit -sei es auf dem Gebiet der Theologie als auch der Pastoral- dieses Bischofs, der sich erlaubt hat- im Geiste des Dienens- dem Papst in einer seltenen, aber in der tausendjährigen Geschichte der Kirche nicht einzigeartigen Form- zu widersprechen, sicher völlig neu bewertet werden wird. 

Er ist leider -davon bin ich zuteifst überzeugt-mit blutendem Herzen gegangen- wegen der fehlenden Antwort des Pontifex auf seine Dubia.

Hochachtungsvoll
Antonio Caffarra" 

Quelle: Stilum Curiae, M. Tosatti 

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