Montag, 16. April 2018

A. Gagliarducci zu den Hintergründen und Absichten von "Gaudete et Exsultate"

Andrea Gagliarducci  analysiert und kommentiert in seiner wöchentlichen Kolumne "Monday in the Vatican" die neueste Apostolische Exhortation "Gaudete et Exsultate" - und zieht  interesssante, allerdings auch beuruhigende Schlüsse über Motivation und und Absicht dieses Schreibens
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"PAPST FRANZISKUS , WAS SEINE NEUE EXHORTATION BEDEUTEN KÖNNTE
Die Apostolische Exhortation Gaudete et Exsultate von Papst Frnziskus ist nicht nur eien Dokument über die Heiligkeit. Irgendwie enthüllt sie auch den modus oprandi des Papstes indem sie einige seinerr Schwächen und einige seiner Stärken zeigt. Vielleicht ist sie auch ein Dokument, daß uns einen Blick auf Papst Franziskus´ nächsten Schritte werfen läßt.
Drei Bemerkungen vorweg.
1) Papst Franziskus´ Dokument ist eine Exhortation. Das ist ein Dokument, das vom lehramtlichen Standpunkt aus weniger Gewicht hat als eine Enzyklika. Kirchenrechtler könnten zu Recht entgegnen, daß das elhramtliche Gewicht nicht durch die Natur des Dokuments gegeben wird, sondern durch das, was darin gesagt wird (z.B. ist "Familiaris Consortio" von Johannes Paul II eine Exhortation enthält aber auch starke lehramtliche Aussagen.
Dennoch ist es bemerkenswert, daß Gaudete et Exsultate eine Exhortation ist. Papst Franziskus zieht Exhortationen Enzykliken vor und das spiegelt seine Art zu regieren wieder. Im Allgemeinen nimmt Papst Franziskus bei den großen Themen kaum einen starken Standpunkt ein Er zieht es eher vor, Diskussionen und Prozesse zu eröffnen und sie am Laufen zu halten.
Papst Franziskus´ Kirche ist eine Kirche im Zustand einer permanenten Synode, obwohl der Papst alle Entscheidungen persönlich trifft. Eine Exhortation scheint besser zu diesem modus operandi zu passen als eine Enzyklika.
2) Papst Franziskus ist sich offenbar der möglichen Rückwirkungen seiner Äußerungen auf theologischem Gebiet bewußt geworden. Deshalb wollte er, daß das Dokument Placuit Deo der Glaubenskonregtion vor seiner Exhortation veröffentlicht wurde, als ob er für die Exhortation theologische Substanz brauchte.
Es fällt schwer, keinen Zusammenhang zwischen der Notwendigkeit für eine theologische Grundlage und der Medienkampagne. die  Papst Franziskus´ theologischen Wurzeln hervorheben sollte, herzustellen.  Zu dieser Kampagne gehörte auch die Veröffentlichung der Reihe von 11 Büchern durch den Vatican-Verlag, wobei man sogar den Papa emeritus bat, ein Vorwort für sie zu schreiben.
Für alle Hauptdarsteller hatte diese Kampagne negative Folgen.



Die Tatsache jedoch, daß Msgr. Dario E. Viganò von seinem Posten als Präfekt des Kommunikationssekretariates zurücktrat und dennoch als Nummer 3 in der Mannschaft des Dikasteriums blieb, läßt denken, daß die Operation zur Herausstellung der theologischen Grundlagen von Papst Franziskus in den obersten Rängen zumindest als notwendig betrachtet wurde.
Das ist nur eine Spekulation. Es ist wahrscheinlicher, daß Papst Franziskus dachte, es sei notwendig dem kommenden Dokument etwas theologische Substanz zu geben, zumindest , um einige der unnützen Kritiken-wie Neopelagianismus und Gnostizismus dargestellt werden- zu vermeiden. Das hat gezeigt, daß Papst Franziskus die Notwendigkeit eines theologischen Zugangs verstanden hat, um den Text vorbeugend gegen Kritiken zu verteidigen: Papst Franziskus will wirklich, daß Gaudete und Exsultate Nachricht wird.
3) Die Exhortation ist nicht nur eine Exhortation über Heiligkeit, sondern scheint auch als Antwort auf einige Kritiken zu Themen des Pontifikates formuliert worden zu sein.
Außer einigen schönen Passagen wie die über den Teufel Nn 101, 102, gibt es in der Exhortation aiuch provozierende Gedanken.
Nr. 101 beschreibt den "schädlichen ideologischen Irrtum" jener,  "die das soziale Engagement anderer verdächtig finden. es als überflüssig, weltlich, säkular, materialistisch, kommunisitsch oder populitisch sehen."
Papst Franziskus scheint sich ausdrücklich auf die gegen ihn gerichteten Kritiken zu beziehen. Es ist kein Geheimnis, daß der Papst eine in sozialen Fragen engagierte Kirche will, die dieses Engagement in der Öffentlichkeit weiterführen kann, wie er im Vorwort des von Journalist Michele Zanucchi herausgegebenen Buches "Macht und Geld.Bergoglios soziale Gerechtigkeit ".
Der Papst fährt dann fort, daß "unsere Verteidigung der unschuldigen Ungeborenen" klar, stark und leidenschaftlich sein muß" aber daß "das Leben der Armen, der schon Geborenen, Mittellosen, Verlassenen und Unterprivilegierten, der verletzlichen Kranken und alten, die von Euthanasie bedroht sind, die Opfer von Menschenhandel,neuen Formen der Sklaverei und jeder Art von Zurückweisung ebenso heilig ist." Und dann sagt der Papst ganz klar: "Wir können das Ideal der Heiligkeit nicht aufrecht erhalten, wenn wir die Ungerechtigkeit in der Welt ignorieren."
In Nr.102 unterstreicht Papst Franzisku, daß "wir oft in Hinsciht auf den Relativismus und den Fehlern unserer gegenwärtigen Welt, z.B. die Lage der Migranten nicht so wichtig ist. Einige Katholiken betrachten es als Thema, das im Vergleich zu den "schwerwiegenden bioethischen Fragen" sekundär ist. Und er fügt hinzu, daß so ein Standpunkt aus christlicher Sicht nicht verständlich ist.

Sogar in diesem Fall scheint er sich ausdrücklich auf die Vorwürfe zu beziehen, die sich gegen sein Pontifikat und seinen modus operandi richten. Sogar in diesem Fall fällte Papst Franziskus  ein hartes Urteil: wer das tut ist kein Christ. Keine Exit-Strategie. Keine mögliche Barmherzigkeit für die, die sich auf gewisse Weise benehmen.
Die Waagschale von Papst Franziskus Äußerung neigt sich in diesem Fall zu den Themen sozialer Gerechtigkeit, obwohl der Papst sagte, daß diese Themen nicht weniger wichtig sind als andere, wie Themen des Lebens, und so einige Widersprüche in der Art wie der Papst manche Dinge ausdrückt beleuchtet. Allgemeien zeigt das wie empfindlich Papst Franziskus gegenüber Kritik ist, die ihn bewegte und so nutzte er eine Apostolische Exhortation, um die Kritiker anzusprechen. Papst Franziskus scheint dieses Werkzeug auch zu benutzen, um die Legitimität seiner Handlungen zu beweisen.

Diese drei Punkte geben Grund zum Nachdenken. Aber wir können sie nicht aus dem Kontext herausnehmen. Und wie immer hilft die Geschichte beim Verstehen.

Ist Papst Franziskus der erste Papst, der sich um die Migranten sorgt? Nein, weil der Hl. Stuhl immer zugunsten der Migranten und ihrer Menschenwürde gesprochen hat und immer dafür kritisiert wurde
(Z.B. als Erzbischof Agostino Marchetto Sekretär des Päpstlichen Rates für Migranten war, hat er heftig gegen die Regierungsmigrationspolitik gesprochen) Seine Erklärung war wegen der Umsicht des Hl. Stuhls ausgewogen und die Katholischen Wohltätigkeitsorgnisationen arbeiteten wie gewöhnlich auf internationaler Ebene weiter für die Migranten.
Als Erbischof Marcchetto um vorzeitige Entlassung aus seinem Amt bat, haben viele das auf Reibungen mit dem Hl. Stuhl zurückgeführt. Aber das war nicht wahr. Außerdem hat der Hl. Stuhl öffentlich erklärt, daß Migranten immer ein Hauptthema waren.)

Ist Papst Franziskus der erste Papst, der größere soziale Gerehtigkeit verlangt? Nein alle seine Vorgänger haben das getan und alle sind von der säkularen Welt dafür stark kritisiert worden.

Ist Papst Franziskus er erste Papst, der über eine weniger weltliche Kirche spricht? Nein. Benedikt XVI hat das 2011 in Deutschland getan und sogar schon vorher,  2006 als er bei ihrem ad-limina-Besuch mit den Schweizer Bischöfen sprach.

Das sind nur Beispiele. Aber sie sind wichtig. Sie lassen den Verdacht aufkommen, daß jedesmal wenn Franziskus spricht, alle Vorurteile aktiviert werden, um ein neues Narrativ für die Kirche zu schaffen.

Hinter Papst Franziskus´ Wunsch, auf Kritiken zu antworten, soll ein echtes Thema stehen: sogar einige seiner Mitarbeiter beklagen sich über seinen modus operandi und einige seiner spontanen Erklärungen. In beiden Fällen wurde das Gerücht verbreitet, daß Papst Franziskus ein großer Papst sei, aber daß man ihn auf Grund seiner mangelnden theologischen Vorbereitung verstehen müsse.

Es gibt auch einen substantielleren Kampf der mit und hinter diesem Papst ausgefochten wird:  den Drang, die theologische Interpretation der Lehre zu ändern.


Dieser Kampf ist nicht brandneu. In diesem Pontifikat aber hat sich der Kmpf verstärkt. Nach  dem Willen von Papst Franziskus, die Prozesse offen zu halten, sahen diejenigen, die die Doktrin ändern wollen, einen Weg, in die Diskussion einzusteigen und die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu bringen.


Das geschah bereits währen des II.Vaticanischen Konzils, als- wie Benedikt XVI sagte- ein wirkliches Konzil und ein Konzil der Medien stattfand.


Das geschah auch bei den Diskussioen über die empfängnisverhütende Pille- nicht zufällig hat Papst Paul VI die Pille aus den Diskussionen des II.Vaticanischen Konzils heraugenommen. Und nicht zufällig wurde Paul VI wegen Humanae Vitae, der Enzyklika, die folgte, angegriffen.

Die Enzyklika wurde oft als nicht bindendes lehramtliches Dokument beschrieben- ein ironischer Trick, wenn wir bedenken, daß jetzt- wo Papst Franziskus ein "leichtes" Dokument benutzt, um die Prozesse offen zu halten, jede Äußerung des Papstes von den selben Leuten, die die Lehre von Humanae Vitae zurückweisen, als teil der unwiderruflichen Autortität beschrieben wird. Das Unfehlbarkeits-Dogma, das Progressive immer mißachtet haben, wird jetzt de facto  angerufen, um nach einer klaren Agenda ihre These voranzutreiben.
Diese Agenda führt direkt zu Humanae Vitae, hat aber wahrscheinlich das geheime Ziel die Kirche zu revolutionieren. Eine des Ziele könnte die Zulassung des Frauenpriestertums sein.

Am 8. April hat sich eine Gruppe traditionalistischer Theologen und Intellektueller -in Gegenwart von zwei Kardinälen mit einer Gruppe von Menschen in Rom versammelt, um über 

viele Themen zu diskutieren, besonders die Autorität des Papstes, die Lehre zu ändern. DAs Treffen bekam sofort das Etikett " das Treffen der Widersacher von Papst Franziskus" gemäß eines Sprachgebrauchs, der einen Krieg durch seine Beschreibung auslöst.

Am Ende des Treffens wurde eine "Declaratio" zur Verteidigung der Kirchenlehre zu Ehe und Familie fomuliert, in der z.T. das Thema der berühmten, an den Papst von vier Kardinälen an den Papst 
adressierten dubia und Amoris Laetitia ins Zentrum der Diskussion zurückzubringen.


Amoris Laetitia ist in der Tat ein altes Schlachtfeld. Über die Fußnote hinaus, die den katholischen wiederverheirateten Geschiedenen den Zugang zur Kommunion garantieren könne- das ist am Ende das Hauptthema der Diskussion- wurde der Text der Exhortation auf traditionelle Weise erstellt- und enthielt auch ein Lobpreis für Papst Pauls VI "Humanae Vitae".


Wenn Amoris Laetitia ein Schlachtfeld war, ist Humanae Vitae das wahre Thema der heutigen Diskussion. Die 2018-Synode für die Jugend könnte eine der Möglichkeiten sein, das zu erreichen, weil man betonen könnte, daß die jungen Leute eine Änderung der Interprettion der Sexualmoral wünschen.


Inzwischen gibt es auch größere Ziele. Die Päpstliche Kommission für Lateinamerika hat um eine Synode über die Rolle der Frau  als natürliche Folge der Familien- und der Jugendsynoden gebeten, um die "pastorale Umkehr", die Papst Franziskus gefordert hat, weiterzuführen.


Die Päpstliche Kommission für Lateinamerika hat diesen Antrag sogar durch ein auf traditionelle Weise formuliertes Dokument gestellt. Aber diese Forderung nach einer Änderung der Mentalitä, die in dem Dokumente enthalten ist, kann als erste Saat ausgenutzt und benutzt werden, die von jetzt an bis zur ordenltichen Synode 2021 mit der Forderung die Regeln zu ändern, führen könnte.


Das sind die Themen im Hintergrund von Gaudete et Exsultate.


Am Ende enthüllt die Exhortation ein größeres Szenario. Papst Franziskus hat nicht irklich ein Problem mit der Lehre und sein Dokument präsentiert- wenn auch manchmal vage- Möglichkeiten, es in Kontinuität mit dem Lehramt zu lesen, das doktrinale Thema wird meistens von außen durch breite Diskussionnen aufgebracht. Papst Franziskus´ Themen findet man eher im Regieren, weil der Papst die Dinge in Erinnerung rufen muß, die er durch eine Exhortation in Erinnerung rufen zu können, glaubt. 


Die Exhortation selbst verblüfft, weil sie in der ersten Personund mit scharfen Urteilen geschrieben ist, nicht so sehr über Themen auf höherer Ebene.

Papst Franziskus Sprache ist bewusst konkret und pastoral, aber sie bietet keinen pragmatischen und theologischen Rahmen, der Angriffe verhindern könnte. Das selbe gilt für die Kurienreform und Themen wie Heiligkeit. Daran sollten wir uns jedesmal erinnern, wenn wir versuchen, Papst Franziskus´ Schritte zu analysieren.

Dasselbe vergoldet für die Reform der Kurie und für Fragen wie die Heiligkeit. Wir versuchen zu lernen, aber wir versuchen, die Bewegungen von Papst Franziskus zu analysieren.

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci 

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