Dienstag, 5. Dezember 2017

Dubia, 3 Katholische Gelehrte antworten auf Dr. Fastiggis Beruhigungsbemühungen bezüglich AL, Fortsetzung

Fortsetzung von "Katholische Gelehrte antworten auf dr. Fastiggis Beruhigungsbemühungen bzgl.AL
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Professor Paolo Pasqualucci
Hat Papst Franziskus die fünf dubia der vier Kardinäle oder einige davon schon beantwortet? Nein, das hat er nicht.

Warum nicht? Hier einige Gründe dafür.

1. Ein vorläufiger aber substantieller Punkt. Die 5 dubia stellen keine Beschuldigung dar. Sie sind die offizielle Aufforderung zu einer Klarstellung , die darauf abzielt, irrige und häretische Interpretationen, dessen, was der Papst selbst als lehramtliches Dokument (AL) geschrieben hat. 
Der Papst hat die Pflicht auf offizielle Weise zu antworten, d.h. entweder durch ein Motu proprio oder durch die Glaubenskongregation, die mit Autorität die authentische Bedeutung (interpretatio authentica) seiner eigenen Worte feststellt.
Das bedeutet, daß der Gesetzgeber selbst jeden Zweifel an der perfekten Rechtgläubigkeit dessen, was er geschrieben hat, eliminiert  und gleichzeitig jede irrige Interpretation davon verdammt.

Deshalb haben die indirekten Erklärungen und Hinweise auf die mit AL verbundenen Probleme , die in Radiobotschaften, Ansprachen, Interviews etc, keinen Wert für die Lösung des Problems.

Er muß ex cathedra antworten, weil die vier Kardinäle auch ex cathedra geäußert haben, d.h. in ihrer Fähigkeit  als hochrangige Mitglieder des Klerus, der dem Papst bei der Regierung der Kirche hilft.

Das Fehlen jeder offiziellen, lehramtlichen Antwort seitens des Papstes, ermöglicht es jedem die mehrdeutigen Abschnitte aus Amoris Laetitia auf die Weise zu interpretieren, wie er will, so daß die Verwirrung und Anarchie sich weiterhin in der Hl. Kirche ausbreitet.

Papst Franziskus kann eine indirekte Zugehensweise, substantiell eine Nicht-Zugangs-Politik - zur Frage der dubia nicht beibehalten. Auf jeden Fall -erfordert die vorherrschende finstere Konfusion -unabhängig von den dubia- als solche eine solche lehramtliche Verkündung seinerseits, weil nur er der Vikar Christi auf Erden ist und das Oberhaupt der sichtbaren Kirche.

2. Die These, daß Papst Franziskus nicht "das Gewissen als eine autonome Möglichkeit beschreibt, über Gut oder Böse zu entscheiden", wie die vier Kardinäle (nach dem Autor des Artikels) zu glauben scheinen, übersieht die Tatsache, daß die vier Kardinäle in Wirklichkeit nicht behaupten, daß der Papst das Gewissen auf diese Weise beschreibt; eher kann ein solch falscher Begriff von Gewissen  aus bestimmten zweideutigen Punkten in AL abgeleitet werden.

Außerdem deutet das päpstliche Zitat Romano Guardinis (was wohl seine Orthodoxie demonstrieren soll) einen Text an, der auf der einen Seite nicht schlüssig ist- in dem Sinn, daß es sehr wohl zu einer deistischen Interpretation des Gewissens (à la Jean-Jacques Rousseau, um klar zu sein) paßt.
Auf der anderen Seite erscheint es in seinem Schlußteil obskur.




3. Das Zitat von Art. 16 aus Gaudium et Spes (GS) von Seiten des Papstes führt in einen sehr rutschigen Text ein. Dieser berühmte Artikel handelt von der "Würde des moralischen Gewissens": 
Zuerst bewegt er sich in Übereinstimmung mit der wahren Lehre, die auf Römer. 2; 14-16 basiert, die bekannterweise die Existenz eines von Gott in unserem Gewissen begründeten Moralgesetzes bestätigt.; ein Gesetz, dass unser Gewissen verstehen und befolgen kann und muß. Die Heiden, lehrt der Hl. Paulus, ohne Offenbarung, wird nach diesem Gesetz verurteilt werden, d.h. danach wie ihr Gewisssen sich im Hinblick auf dieses Gesetz verhalten hat.

Aber im zweiten Teil von Art. 16 wird gesagt, daß "in Treue zum Gewissen, Christen mit dem Rest der Menschheit verbunden sind auf der Suche nach der Wahrheit und nach der wahren Lösung für die vielen Probleme, die im Leben des Einzelnen aus sozialen Beziehungen erwachsen.
Deswegen herrscht das rechte Gewissen  umso mehr, je mehr Menschen und Gruppen sich von der blinden Wahl abwenden und danach streben, sich von den objektiven Regeln der Moral leiten zu lassen. (GS 16, §2)

Hier resultieren die "objektiven Normen der Moral" nicht aus der Offenbarung Unseres Herrn Jesus Christusoder aus dem in unseren Herzen verankerten Naturrecht, sondern aus dem "Dialog" mit dem "Rest der Menschheit" , mit dem Ziel "die Wahrheit zu finden". 
Wahrheit in der Ethik resultitert daher nicht aus dem was Unser Herr, die Apostel und die immerwährende Kirche  uns gelehrt haben, sondern aus der gemeinsamen Suche mit dem Rest der Menschheit, -entweder häretisch oder negativ für das Christentum! 
Bei dieser Suche ist der Führer nicht  das Evangelium und die Lehre der Kirche sondern unser individuelles Gewissen, das die Wahrheit zusammen mit dem Rest der Welt die Wahrheit erarbeitet und vom ihm lernt. Hier scheint eine Wahrnehmung von Wahrheit die mit der vom wahren Gott offenbarten Wahrheit als einziger Basis unserer religiösen und moeralischen Prinzipien absolut unverträglich ist.

Um ein Beispiel zu geben, wie sollen wir nach Vatican II die Wahrheit über die Ehe finden? In einer gemeinsamen Suche (oder Dialog) mit denen, die Scheidung, Verstoßung,, Ehe auf Zeit, Polygamie, Konkubinat etc zulassen? Das ist in der Tat das, was viele getan haben, indem sie sich auf ihr eigenes Gewissen verlassen haben und wird haben die schändlichen Ergebnisse dieser Frage oder Suche nach der Bedeutung und Praxis der Katholischen Ehe gesehen.

4. Die Bemerkung, die Papst Franziskus vor dem Publikum der Teilnehmer an einem von der Rota Romana geförderten Kurs  (25. 11. 2017) machte, war grandios. in der er offensichtlich andeutete, daß die wiederverheirateten Geschiedenen nicht zur Eucharistie zugelassen sind".
Wenn das die Bedeutung seiner Bemerkung war- und ich denke. daß die ausdrückliche bedeutung der Bemerkung mit der Meinung des Papstes zu behandelten Thema übereinstimmt- bleibt die Tatsache, daß der Papst die Pflicht hat, die richtige Lehre klar darzustellen und-wenn nötig- in einem lehramtlichen Statement, ohne die Gläubigen so oft dazu zu bringen, nach einer möglichen orthodoxen Bedeutung von ansonsten verworrenen und zweideutigen Statements zu graben.  

5. Am Ende kommen die Hermeneutik zu Papst Franziskus unklaren Äußerungen durch das Zitieren von Kardinal Müllers Interpretationen und bestimmter nicht schlüssiger doktrinaler Äußerungen von Kardinal Ratzinger und durch die eigene Interpertation des Autors dazu, zu keinem wirklich gültigen Ergebnis, weil sie immer gezwungen sind, Hypothesen aufzustellen, darüber, was Papst Franziskus "vielleicht wirklich meinte".

Quelle: OnePeterFive, M.Hickson, Prof. Paolo Pasquale

Paolo Pasquale ist emeritierter Professor für Rechtsphilosophie an der Universität Perugia, Italien.

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