Montag, 13. November 2017

Die Kurienreform in ihrem Lauf.....

Andrea Gagliarducci unterzieht in seiner wöchentlichen Kolumne bei Monday in the Vatican das aktuelle Pontifikat und seine Personalentscheidungen im Rahmen der sog. Kurien-Reform im Hinblick auf historische und virulente Herausforderunen der Kirche einer kritischen Analyse.
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"PAPST FRANZISKUS: DIE NÄCHSTEN HERAUSFORDERUNGEN DES PONTIFIKATES"
"Es könnte wie ein Zufall erscheinen, daß einige der Ernennungen, die den Dientsplan der Kurie komplettieren in der selben Woche stattfanden, als in Rom in der Päpstlichen Gregoriana- Universität bei zwei Konferenzen "Licht auf das Leben der Christen in der Sowjet-Union" geworfen wurde.
Die Verbindung zwischen dem Thema Kurienreform, der Auswahl des Stabes und dem. was das Papsttum getan hat, um der härtesten antichristlichen Ideologie der Geschichte zu begegnen, darf nicht unterschätzt werden.

Zuerst zu den Ernennungen.
Papst Franziskus´ Pontifikat durchlebt jetzt gerade eine Übergangszeit.
Das Staatssekretariat könnte einer substantiellen Neuordnung unterworfen werden und mindestens drei seiner Spitzenmitarbeiter sollen zu Nuntien ernannt werden- also zu Botschaftern des Papstes.
Auch das Staatssekretariat wird verändert werden und einige Quellen behaupten, daß eine dritte Sektion gebildet werden soll.
Diese Sektion wird sich um die Nuntien kümmern und man sagt, daß sie von Erzbischof Jan Romeo Pawlowski geleitet werden soll, als Chef der "Repräsentation des Papstes". Am Ende sieht es so aus, als ob dieses Amt in den Rang einer Sektion erhoben worden ist.

In der Zwischenzeit - während die Kurienreform noch diskutiert wird, werden neue Dikasterien geplant. Die Art und Weise wie Papst Franziskus die bestehenden Dikasterien durch Ernennungen auffüllen will, wird bereits diskutiert.

Es gibt immer irgendwelche Bewegungen. Die Kongregation zur Evangelisierung der Völker hat in wenigen Monaten den Abgang ihres Sekretärs und Untersekretärs erlebt: Erzbischof Hon, der Sekretär, wurde Nuntius in Griechenland, die Nummer drei, Tadeusz Wojda wurde zum Metropolitanbischof von Bialystok bestimmt.
Jeder der über substantielle Neuerungen nachdenkt, wird dennoch enttäuscht sein.

Wie der Papst es bereits mit der Glaubenskongregation gemacht hat, wird er sich auch sonst auf Beförderungen von Innen heraus beschränken: Erzbischof Protase Mugambwa, beigeordneter Sekretär des Dikasteriums wurde zum Sekretär befördert, während der Posten des beigeordneten Sekretärs mit Giampetro Del Torso, emeritierter Sekretär des Päsptlichen Rates "Cor Unum" aufgefüll wurde, der zu der Zeit ohne Portfolio war, weil sein Dikasterium dem neuen Dikasterium für den Dienst an der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung eingegliedert wurde.



Dal Toso wird in den Rang eines Erzbsichofs erhoben werden. Diese Entscheidung erlaubt uns, zu spekulieren, daß es bald einen neuen Leiter für Propaganda Fide geben wird und alles deutet auf Kardinal Sarah hin. Der derzeitige Präfekt der Liturgiekongregation wird als Opponent des Papstes betrachtet, wenn es um liturgische Sensibilität geht, wie der Brief des Papstes beweist, in dem Sarahs Interpretation des Motu Proprio Magnum Principium widersprochen wird.
Aus diesem Grund könnte der Kardinal dahin zurückkehren, wo seine Karriere im Vatican begann, als er in der Vergangenheit Sekretär für die Evangelisierung der Völker gewesen war.

Eine solche Bewegung könnte eine Art Dominoeffekt erzeugen und zur Ernennung von Erzbischof Arthur Roche zum Präfekten der Liturgiekongregation führen- er war derjenige, der Magnum Principium geschrieben hat. Kardinal Fernando Filoni, der derzeitige Präfekt von Propaganda Fide, könnte Kardinal George Pell als Präfekt des Wirtschaftssekretariates ersetzen, wahrscheinlich unter irgendeinem Titel, der die Stellung des Australischen Kardinals bewahrt und verteidigt, während der - derzeit beurlaubt- in sein Heinatland zurückgekeht ist, um seinen Namen reinzuwaschen und sich in einem Prozess, der nicht mehr ist als der Gipfel einer gegen ihn gerichteten Kampagne ist,

Die mögliche Ernennung von Kardinal Filni setzt am Ende einen Domino-Effekt innerhab des Finanzsektors des Hl. Stuhls in Gang, weil diese Reform eigentlich nach dem Motto einen Schritt vorwärts, einen Schritt rückwärts ausgeführt wird, während ein Weg gesucht wird, die Art Gleichgewicht zwischen Aufsicht und Management herzustellen, die in jedem souveränen Staat nötig ist.

In der Zwischenzeit fährt der Papst fort, die Räume mit den neuen Dikasterien zu füllen.
Nach den Ernennungen von Fr. Bruno Duffé zum Sekretär des Dikasteriums für Integrale menschliche Entwicklung und von Fr. Alexandre Awi Mello zum Sekretär des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, hat er Papst zwei neue Untersekretäre für diese Kogregation bestimmt.

Die beiden Untersekretäre sind Frauen und werden mit den Abteilungen für "Laien" und "Leben" betraut.
Linda Ghisoni, Mutter zweier Töchter, hat Theologie in Tübingen (Deutschland) und der Gregoriana studiert. Sie ist Anwältin an der Rota Romana und hat bei REvisionsgerichten in Rom und in Vatican-Stadt gearbeitet. Sie hat von 2013-2016 mit dem Päpstlichen Rat für die Laien zusammen gearbeitet.
Sie wird Untersekretärin für den Laienbereich.
Gabriella Gambino, Mutter von 5 Kindern, wird Untersekretärin für den Bereich Leben. Sie hat einen Doktrotitel in Bioethik und war wissenschaftliche Expertin für das Nationalkomitee für Damilie und hat gleichzeitig mit dem Päpstlichen Rat für die Laien und Päpstliche Akademie für die Familie zusammen gearbeitet.

Dies kürzlichen Ernannten sind zwei Frauen aus der Kulturinitiative von Kardinal Ruini, d.h. sie stammen aus der Periode der Italienischen Katholischen Kirche, in der die Katholische Präsenz in Politik und Gesellschaft wie auch in der Kultur stark war. Diese Periode wurde nicht durch einen Dialog mit der modernen Welt charakterisiert sondern eher dadurch, Gründe für den Glauben in der heutigen Welt anzubieten.

Steht diese Auswahl im Gegensatz zu dem was Papst Franziskus immer gepredigt hat?
Immer öfter hat der Papst gesagt, daß er nicht über "nicht verhandelbare Werte" sprechen wolle und hat die Kultur der Begegnung zum Maß seines Pontifikates gemacht- trotz der Tatsache, daß er sich z.B.stark zugunsten der Familie ausgesprochen hat. Papst Franziskus hat jedoch immer die Idee des Brückenbaus einem Kulturkampf vorgezogen.

Diese alternative Zugehenweiese wird in der Auswahl der beiden neuen Bischöfe sichtbar, die sicher mehr auf pastoralen als auf intellektuellen Gebiet erfahren sind. Papst Franziskus versucht so eine Mentalitätsverschiebung zu bewerkstelligen- eine pastorale Umkehr. Sein Vorbild ist die Konferenz von Apereceida, die er als die "erste Konferenz" beschreibt, "die die kontinentale Mission beendet".

Warum also hat der Ppast diese beiden Untersekretärinnen mit stark intellektuellem Profil ausgesucht? Weil sich die Kurie letztendlich in der Kultur engagieren muß und pastorales Leben und Kultur zwei Seiten einer Medaille sind.

Aber diese Ernennungen finden in einer Zeit statt, in der das Thema Kurienreform mit der Präsentation der Bücher der Geschichte der Kirche in der Sowjetunion verbunden ist. Die kommunistische Ideologie gehörte in der Geschichte der Kirche zu deren größten Feinden. Atheistische Militanz hat auf furchtbare Weise gegen die Gläubigen gewirkt.

Dennoch ist diese atheistische Militanz nicht aus dem Nichts entstanden. Die antiklerikalen und antireligiösen Bewegungen in der Sowjetunion wurden direkt von der Französischen Revolution und der Art, wie sie die Kirche angriff, inspiriert. Die Philosophie der Französischen Revolution ist im von Marx und Engels entworfenen Kommunismus voll realisiert worden.

Als die Kirche es mit der Französischen Revolution zu tun hatte, hat sie die "Kongregation Super Negotis Ecclesiasticis Regni Galliarum"  gegründet eine von Papst Pius VI gewünschte Kongregation, die sich mit dem Kirchenleben in Frankreich befassen sollte. Auf diese Weise errichtete der Papst die Fundamente für eine moderne zweite Sektion des Staatssekretariates, das als Studienzentrum für die Französische Revolution entstanden war.

Als das gleiche Problem in Rußland wiederkehrte, behandelte der Hl. Stuhl das als kulturelles Thema, weil die Diplomatie des Hl. Stuhls auf den Menschen schaute und nicht durch Diplomatie ....
So wurde dann die Kommission für Rußland eingerichtet und zusätzlich dazu gründete der Hl. Stuhl ein Sekretariat für Atheismus, das von 1935 - 1939 ein Bulletin -"Briefe aus Rom zum Modernen Atheismus"- in fünf Sprachen veröffentlichte.

Wahr ist, daß der Glaube Dank der Volksfrömmigkeit erhalten wurde, Dank der Tatsache, daß Großeltern ihren Enkelkindern die Gebete weitergaben. Aber diese Volksfrömmigkeit kam aus einem starken Glauben und einer gut verwurzelten Katechese: die Kultur hat geholfen, den Glauben zu bewahren.

Der Kommunismus ist Dank der Kulturwelt zusammengebrochen. Kardinal Karol Wojtyla, Erzbischof von Krakau, dachte, es sei besser die Christliche Kultur zu stärken, als dem Regime offen entgegen zu  treten. Einmal zum Papst gewählt, brachte er diese Idee in die Universale Kirche ein.
Das Sekretariat für Nichtgläubige war das Mittel, um das in die Tat umzusetzen und sein Präsident, Kardinal Paul Poupard, war der Mann, der dazu von Johannes Paul II beauftragt wurde, in die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs zu gehen und über Gott zu sprechen.

Gestern wie heute muß es ein Gespräch über Gott geben, das durch die Kirche mit Hilfe einer starken, sichtbaren Präsenz und kulturellen Identität stattfindet. Wenn am Ende etwas in den Diskussionen um die Reform des Papste fehlt, ist es die Kultur.

Während wir Journalisten über innere Umgestaltungen im Vatican schreiben und versuchen, die Seilschaften zu erklären, die bestimmte Ernennungen möglich machen, während die schiere Neuorganisation als Reform etikettiert wird, während die Reform der Kommunikation hauptsächlich auf eine digitale Konvergenz hindeutet- während alles dieses passiert- sieht es so aus, als habe die Kirche die Notwendigkeit und den Wunsch verloren, sich in der Kultur zu engagieren.

Obwohl die Herausforderungen die gleichen sind wie vor 100 Jahren, war zu der Zeit das Thema der atheistische Kommunismus. Heute ist es die Säkularisation und die religiöse Indifferenz. Vor 100 Jahren führte eine gewaltsame Kampagne zur Unterdrückung der Kirche; jetzt ist die Schärfe die einer subtilen antireligiösen Kampagne. Gestern, heute und in jedem Zeitalter gibt es die, die versuchen, die Kirche zu zerstören.

Hoffen wir, daß es nach der Reform und der endgültigen Zusammensetzung der Römischen Kurie immer noch Leute gibt, die fähig und willens sind, den Herusforderungen der Kultur entgegen zu treten. Die Kirche braucht das wirklich.

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci



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