Donnerstag, 12. Oktober 2017

Zur Abschaffung der Hölle

Es ist auch zu mir vorgedrungen, dass unser derzeitiger Papst eine echt neue Idee zum Problem des jüngsten Gerichts gehabt hat. Hier klicken 

Auf den ersten Blick ist die Lösung die er gefunden hat, die Guten kommen in den Himmel, die Bösen lösen sich auf, schon berückend und bestrickend.
Man ist damit auf der atheistischen Schiene, dass mit dem Tod eh alles aus ist und hat dennoch einen Ansporn gut sein zu wollen.

Allerdings, wenn man so aufmerksam das verfolgt, was man heutzutage zu zu wissen meint, so ist ein klar, also Sünde, das gibt es nicht.
Und manchmal frage ich mich schon, wie man zu sowas kommen kann,

Noch einem Martin Luther war die katholische Kirche viel zu tolerant und dachte viel zu gut vom Menschen, dem sie die Möglichkeit eröffnete sich mit ein bisschen Geld für wunderschöne Kathedralen, gar von seinen Sünden loszukaufen, anstatt ihn dazu zu verdonnern, den Rest seinen Lebens bei Wasser und Brot Trübsal zu blasen.



Er, Luther und seine Mitreformatoren sahen das ganz anders, sie hielten von dem ganzen katholischen Formalismus gar nix, und hielten den Menschen für so schlecht, dass noch nicht mal der allmächtige Gott mit seiner ganzen Gande den Menschen gut machen konnte.
Und gerade deshalb ist ja auch der Buß- und Bettag eine hoher evangelischer Feiertag gewesen und bei den Evangelischen Karfreitag wichtiger als Ostern, weil der Mensch ja so schlecht ist und man Kreuz, Portwein und eine gute Zigarre, laut ihrer Auffassung nicht zusammenbringen kann.

Mittlerweile, so ich das überblicke, sind die Evangelischen,  dem späteren Lutherschen Diktum zunächst folgend (sündige tapfer., aber glaube noch tapfere) auf diesem Weg jedoch weiter geschritten, dass es nämlich keine richtige Sünde mehr gibt,. außer so Klima, Gesundheit  und Umweltkram, aber das lassen wir jetzt mal beiseite.

Man ist also der Ansicht, dass es keine Sünde gibt, also auf jeden Fall nicht mehr die klassischen und die Vorstellung einer Hölle,. also ja das ist schon klar, gibt es nicht, kann es nicht geben, Gott ist ja gut, usw.und da das mit der Tapferkeit auch nicht mehr so als Tugend gilt, sondern als männlich und damit als böse,  will man heutzutage von der Kirche die Erlaubnis sündigen zu dürfen und die Dispenz vom glauben müssen und sollen.

Da wir ja Ökumene haben, sieht es auf katholischer Seite auch nicht besser aus, man will auch hier zum Sündigen die Erlaubnis gar zu gerne haben, bitte noch mit ausdrücklicher Erklärung, dass es gar keine Sünde ist, (erinnert irgendwie an Ablassbriefe) und dazu, da man also zu feige zum tapfer sündigen ist, ist man auch zu  feige um überhaupt zu glauben.

Wie jeder der ein bisschen von der Relischion versteht, kommt man nun aber in die Bredouille, weil es ja das Wesen der Religion, soweit ich das überblicke jeder Religion, ist, sich mit dem Jenseits zu beschäftigen, also mit dem was nach dem Tod kommt und, wiederrum soweit ich das überblicke, alle Religionen gehen von einer, wie auch immer gearteten ewigen Existenz auf, mit Lohn für die Guten und Strafe für die Bösen.
Wie diese ewige Existenz aussieht und was genau gut und was genau böse ist, und wie man ganz konkret tun oder nicht tun muss, um zu den Guten zu gehören, da gehen die Ansichten dann allerdings auseinander.

Nun scheint es so, als habe der derzeitige Papst den gordischen Knoten gelöst, mittels dem, wie es Kirchefeinde auszudrücken pflegen, die Kirche ihre Schäfelein bei der Stange gehalten hat, indem sie  ihnen Angst vor der ewigen Verdammnis gemacht hat, und der Feststellung, dass gerade Leute, die eine ewige Verdammnis leugnen, ziemliche Muffe vor dem Sterben haben, weil es ihnen so geht wie dem Aufklärer vor dem Zaddik, aus der berühmten Martin Buber Geschichte , sie also fürchten dass es vielleicht doch wahr sein könnte, dass da ein richtender Gott ist.
Allerdings hat der gordische Knoten noch mehr Wicklungen so den, dass wir es als irgendwie ungerecht empfänden, wenn nach dem Tod alle gleich wären, Allerdings auch die Wicklung, dass man sich fragt, was ist z.B mit einer Mutter, die in den Himmel kommt, während ihr Kind, als böser Mensch in der Hölle landet, kann die Mutter dann überhaupt glücklich sein, und überhaupt die alte Frage, die noch schwerer ist, als die Frage warum Gott das Leid auf dieser Erde zulässt, scheinbar unbegrenzt zulässt,. die Frage danach wie ein guter Gott es zulassen kann, dass es Wesen, (Seelen) gibt die an einen Ort gelangen,  wo Heulen und Zähneknirschen ist und das ewig.
Andererseits, gerade aufgrund der Erfahrung von Leid, dass durch ganz konkrete Menschen verursacht wurde, ist es auch keine Lösung zu sagen "es kommen, alle, alle in den Himmel"

Man könnte seitenlang, bücherlang über die Implikationen der Gerichtsidee schreiben, das oben ist nur ein ganz oberflächlicher, Anriss

Also sprach der Knotenzerhauer, es ist ganz einfach, die Guten, die kommen in den Himmel, denen geht es dann gut und die Bösen, die die gibt es dann nicht, die werden vernichtet, die gibt es dann nicht mehr.
Zu all diesen nachidischen Zuständen bedarf es aber keines richtenden Gottes, sondern die guten Seelen, die schweben sozusagen, leicht geworden, nach oben, die schlechten die lösen sich auf, wenn ich das richtig kapiert habe.

Hört sich ein wenig nach Buddhismus an, aber nur, wenn man sehr oberflächlich guckt, weil eigentlich ist es im Buddhismus so., dass das Leben selber, egal in welcher Form Qual ist, und die Auflösung im Nirwana, nicht Vernichtung ist,. sondern Auflösung in eine größere Einheit, aus der heraus  wieder einzelne Wesen entstehen, die dann wieder den großen Kreislauf beginnen.
Dazu ist dieses Auflösen im Nirwana, das Auflösen der Wesenheit, die die ganze Kette der Wiedergeburten erfolgreich durchlaufen hat, nicht Strafe für eine böse Seele, sondern Lohn, guter Lohn für eine Kette guter Leben.

Allerdings besonders originell sind diese Gedanken nun auch wieder nicht, es ist, einfach, der zigste Aufguß der schlechten, alten Gnosis, die davon ausgeht, die Guten, die erlösen sich selber, die schlechten, die gehen zugrunde.
Allerdings sind, in allen gnostischen Spielarten und derer gibt es viele, die schlechten Menschen, die die rein materiell gesinnt sind und keinen göttlichen Funken, keine Idee einer wie auch immer gearteten höheren, reinen geistigen Macht haben.
Dazu kommt, dass selbst die zu den modernen Gnostikern zählenden, obwohl sie selber sagen, dem sei nicht so, Anthroposophen behaupten, die Gnosis sei satanisch.
Hier kann man dazu auf deren eigener Seite einiges dazu nachlesen.
Also sind wir wieder bei Kohelet gelandet der feststellte "Ich suchte und fand, siehe es gibt nichts neues unter der Sonne"
oder in der Sprache von Chesterton, auch das ist mal wieder eine neue Idee, die nix ist wie ein alter Irrtum.

1 Kommentar:

  1. Ich finde, die Existenz einer Hölle (ob und mit wem auch immer sie bevölkert sein mag) folgt schon aus Symmetriegründen. Man kann nicht vom Himmel und den Engelein schwärmen, also die positive Seite der Verewigung unseres Seins glauben, aber von der Verewigung zum Negativen hin nichts wissen wollen. Unser endliches Sein ist zwischen diese beiden Ewigkeiten gestellt, es mündet - mit all seinen Halbheiten, Unvollkommenheiten und Unfertigkeiten - in die Ewigkeit, basierend auf dem Vorzeichen, in das wir unser Leben gestellt haben. Die modische Höllenverleugnung verdanken wir einer fatalen Schattenseite der Religionsfreiheit: sie macht die verschiedenen Religionen und Nicht-Religionen zu Wettbewerbern auf einem Markt, die in einem Marketingzeitalter die Gunst ihrer Kunden gewinnen müssen. Wie tun sie das? Indem sie nur das an ihrer Religion preisen, von dem sie wissen, dass die Kunden es gerne hören wollen, das Unangenehme aber, das Harte, das schwer zu Fassende und schwer zu Ertragende unter den Teppich kehren. Ein Höhepunkt dieser Säuselei war in den 80ern mit dem "New Age" erreicht: da ging es nur noch um den "spirituellen Pfad", um irgendwie love, peace, happiness und so, um die "Selbstentfaltung" und Erleuchtung. Von der Tiefe und auch Finsternis, von der realen Abgründigkeit des Menschseins, von unserer eigenen Sündhaftigkeit, von Versuchungen, Dämonen und dem Teufel, von Buße und Beichte, von Reinigung, Fegefeuer und von der Hölle wollte man nichts wissen. So etwas kommt marketingmäßig mega-schlecht an, wir brauchen chilligere Botschaften, um für unsere Religion zu werben.

    Heute scheint mir - zart noch, aber meines Erachtens spürbar - der Zeitgeist wieder zu drehen. Man merkt, daß dieses marketingmäßig Weichgespülte nicht das Echte ist, ja dass es dem Menschen seine Würde raubt, ihn zu einer Eintagsfliege degradiert. "Authentizität" ist wieder ein positiv besetztes Wort, das dem marklosen Wischiwaschi entgegengesetzt wird. Wer weiß, vielleicht erleben wir ja schon bald eine "rinascita", eine Rückbesinnung auf das Wesentliche, auf die Mitte, eine Wiederkehr des Sinns für das Erhabenen und Heilige, für das Geheimnis, das jedes Menschenleben, jedes Menschenschicksal umwittert, ein neues Gespür für die Tiefe unseres Seins, aber eben auch für seine Abgründigkeit.

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