Donnerstag, 12. Oktober 2017

Sandro Magister über den neuesten Mitarbeiter von Avvenire, den altkommunistischen Karikaturisten Staino

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo die neue Zusammenarbeit von Avvenire mit dem erklärten kommunistischen Karikaturisten Staino.
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"DIE KOMMUNISTEN, DIE DER PAPST LIEBT UND UMGEKEHRT"

In den vergangenen Tagen sind in Rom einige überraschende Dinge geschehen. Und sie sind auf ihre Weise lehrreich.
Das erste, ist der Beginn der Zusammenarbeit von "Avvenire", der Zeitung der Italienischen Bischofskonferenz, mit dem Satireautor Sergio Staino bei einer Sonntags-Karikatur mit dem Titel : "Hallo Jesus"

Hier liegt die Überraschung in der Tatsache, daß Staino ein unerschütterlicher Kommunist ist, ein "Blumenkind" und ein Meister der freien Liebe war, bis vor einigen Monaten Direktor der "L´Unità", der inzwischen eingestellten Zeitung der Italienischen Kommunistischen Partei- und dann der ihr nachfolgenden Parteien und ist jetzt Ehrenpräsident der UAAR, (Union der Atheisten, Agnostiker, Rationalisten)

Der zerstreute Jesus dieser Zeichnung lebt noch in Nazareth bei seinen Eltern mit Joseph und Maria  und hilft seinem Vater in der Holzwerkstatt, aber sein Kopf ist schon woanders und schaut auf die Zeit voraus, wo er aufbricht, um am Ende -mit Stainos Worten- der erste Sozialist zu werden, der Erste, der für die Armen kämpft."

Am Tag seines Debuts von Avvenire interviewt, erzählte Staino, daß vor einiger Zeit, als Papst Franziskus in einem "langen Telephonat" mit dem Slow-Food-Erfinder Carlo Petrini sprach und dieser ihm berichtete, daß Stainos Mutter 1948 die sakramentale Absolution verweigert wurde, weil sie für die Kommunistische Partei gestimmt hatte, der Papst in lautes Gelächter ausbrach "Sagen Sie diesem Freund, daß ich ihr diese Absolution erteilen werde."

Das ändert nichts an der Tatsache, daß sein Kommen eine Flut von Protesten provoziert hat, einschließlich der des Herausgebers der Zeitung, in Person der Generalsekretärs der Italienischen Bischofskonferenz, Bischofs Nunzio Galantino, dessen Worte für die Leser von Avvenire vom Direktor der Zeitung, Marco Tarquinio, wiedergegeben wurde:
"Ich stimme nicht zu, weil ich einfach nicht verstehe, welchen zusätzlichen Wert Stainos Zeichnungen für unsere Zeitung bringen sollen."

Und es ist genau hier, wo der lehrreiche Teil der Affäre liegt. Weil es jetzt einen Beweis dafür gibt, daß Galantinos Macht über die Bischofskonferenz  und ihre Zeitung nicht mehr so viel zählt, wie zu der Zeit, als Papst Franziskus ihn zum Generalsekretär und de-facto zu seinem einzigen Leutnant  ernannte, mit dem Effekt, daß jedes Wort und jede Entscheidung von ihm betrachtet wurde, als käme sie vom Papsr selbst.

Heute hat die Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden in der Person von Kardinal Gualtiero Bassetti, der seinerseits Franziskus wirklich sehr nahe steht und sehr viel geschickter beim Verstehen und Befolgen seiner Wünsche agiert.

Während Galantinos Sturz aus der Päpstlichen Gnade noch offensichtlicher und Stainos Fall der klare Beweis dafür ist.

Nicht nur hat der Direktor von Avvenire das allein entschieden, "ohne zuvor die Zustimmung des Herausgebers eingeholt zu haben" , sondern er verteidigte die Richtigkeit seiner Entscheidung auch auf den Seiten von Avvenire, und machte außerdem die einflusslose gegenteilige Meinung Bischof Galatinos offenkundig.

Dem sagte er in dem Augenbick Auf-Wiedersehen, in dem er Staino begrüßte, seinerseits absolviert von Papst Franziskus.

Die zweite Episode betrifft eine andere Zeitung in führender Rolle "Il Manifesto", die einzige in Italien, die in ihrem Impressum verkündet, eine "Kommunistische Tageszeitung" zu sein.

Donnerstag, am 5. Oktober, -so ein Zufall- genau am 100. Jahrestag der "Oktober-Revolution" kam Il Manifesto mit einem Buchan die Zeitungsstände, mit drei Reden von Papst Franziskus an die "Volksbewegungen", die er erstmals 2014 in Rom zusammenrief, dann 2015 in Bolivien und dann 2016 wieder in Rom.

In einem Interview von Avvenire erklärte die Direktorin von "Il Manofesto" Norma Rangeri, diese Entscheidung:
"Wir fühlen, daß diese Botschaften des Papstes unsere eigenen sind und wir wollen unseren Lesern die Radikatlität und Einfachheit dieser seiner Worte bringen. [...] Sie enthalten eine neue  Idee von Politik, der Papst zitiert auch Esther Ballestrino de Careaga mit ihrem Politikkonzept. Sie ist eine Kommunistin aus Paraguay."
(Und sie war eine Chemie-Lehrerin  des jungen Jorge Mario Bergoglio, der während seines Besuches in Praguay im Juli 2015 ihre beiden Töchter traf.)


Die Leser von Settimo Cielo  sind über Franziskus´ Reden an die Volksbewegungen und seine politischen Visionen bereits ausführlich informiert.



Aber weitere Informationen können aus ihrer Veröffentlichung durch "Il Manifesto" gewonnen werden. Weil es in dem Buch-zusätzlich zu den Reden- ein Interview und ein Nachwort gibt, die das Gesamtbild intensivieren, das Interview mit dem Argentinier Juan Grabois das Nachwort vom Italienischen Gelehrten Alessandro Santagata.

Grabois, 34, Sohn eines historischen Peron-Beamten, leitet heute die Confederación de Trabajadores de la Economía Popular, der Bergoglio seit 2005 nahe steht, also seit der damalige Erzbischof von Buenos Aires an der Spitze der Bischofskonferenz war. 
Nachdem er Papst geworden war, ernannte Franziskus ihm zum Berater des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, das jetzt im neuen "Dikasterium für Integrale Förderung der menschlichen Entwicklung" aufgegangen ist.
Und er, Grabois, ist der Aktivste dabei, die Stränge der Zusammenkünfte der Volksbewegungen um den Papst zusammenzuknoten.

Die Idee begann direkt nach der Wahl von Franziskus Gestalt anzunehmen. Nach der Inaugurationsmesse des neuen Pontifikates, bei der in der ersten Reihe -gemeinsam mit anderen Staatsoberhäuptern- auch der Argentinier Sergio Sanchez anwesend war, der Leiter des "Movimiento de Trabajadores Excluidos". 
Grabois sagt, daß er von Erzbischof Marcelo Sánchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, auch er Argentinier, der ungeduldiger denn je ist, in den inneren Kreis der neuen Papst-Favoriten aufgenommen zu werden, kontaktiert wurde.

Sorondo bat Grabois, ihm zu helfen, im Vatican ein Seminar mit dem Titel "Notfall ausgeschlossen" zu organisieren, die im Dezember 2013 abgehalten wurde und an dem Joan Pedro Stédile, der Führer des "Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra in Brazil" teilnahm.

Dieses Seminar war die Vorschau auf die Einberufung der Volksbewegungen rund um Papst Franziskus, einem Netzwerk hunderter von Organisationen der ganze Welt, aber vor allem aus Lateinamerika, die weitgehend den erinnerungswürdigen antikapitalitischen und Antiglobalisierungs-Treffen in Seattle und Porto Alegre ähneln.

Um dieses und die folgenden Treffen zu organisieren wurde ein Kommittee gebildet, bestehend aus Grabois, Stédile und zwei andere Aktivisten Jockin Arputham von den "National Slum Dwellers Federation"  und Charo Castelló von den  Mouvement Mondial des Travailleurs Chrétiens. Plus dem Jesuiten Michael Czerny, jetzt Untersekretär der Abteilung für Migranten und Flüchtlinge im Dikasterium für intergrale menschliche Entwicklung, einer Abteilung deren Leitung und Verwaltung sich Papst Franziskus persönlich vorbehalten hat.
Nach Grabois´ Urteil war Pater Czernys Rolle bisher "von vitaler Wichigkeit, um die verschiedenen Volksbewegungen miteinander zu verbinden."
In dem von "Il Manifesto" publizierten Buch zeigen sowohl Grabois als auch Santagata, daß viele der Volksbewegungen, auf die sich der Papst verläßt, der Kirche als Institution kritisch gegenüber stehen und in Opposition zu den Katholischen Dogmen zu Fragen wie Abtreibung und Rechte des Homosexuellen. Aber "solche Widersprüche berühren die Arbeit bei den Treffen nicht so sehr, weil diese sich auf spezifische Themen, die mit dem Kampf um Land, Wohnungen und Arbeit konzentrieren."

Ein viertes Zusammentreffen der Volksbewegungen war für dieses Jahr im Oktober in Caracas  geplant. Aber es wurde auf Grund der Katastrophe in die Venezuela gestürzt ist, verschoben.

Als Ersatz haben sie begonnen Treffen auf regionaler Ebene statt der globalen abzuhalten. Das erste fand in Modesto, Kalifornien vom 16.-19. Februar 2017 für die us-amerikanischen Bewegungen statt. Ein anderes wurde am 20. und 21. Juni in Cochabamba, Bolivien  für die Bewegungen Latein-Amerikas abgehalten.

An dem Treffen in Modesto nahm Papst Franziskus via Videokonferenz teil, bei der er eine Rede verlas, die perfekt zu den drei vorhergehenden paßte.

Bei der von Cochabamba zeigte er sich nicht. Aber im Hinblick auf diese Treffen auf regionaler Ebene schreibt Santagata:

"Wie [Vittorio] Agnoletto mir beim letzten Treffen sagte, gibt es im Vatican Kritik an seinen Vorschlägen, Netzwerke zu bilden, die seinem Urteil nach, Gefahr laufen, Serien "leerer Schachteln"
in Konkurrenz mit den Organisationen des Welt-Sozial-Forums entstehen zu lassen."

Agnoletto, 2004 für eine 5-jährige Legislaturperiode in die Ränge der Kommunistischen  Neugründung gewählt, war lange Zeit ein italienischer Repäsentant des internationalen Vorstands des Weltsozialforums, das in Porto Alegre gegründet wurde und hat an verschiedenen Treffen zu diesen Themen im Vatican teilgenommen. 

Zwischen dem Weltsozialforum und den Volksbewegungen, die Papst Franziskus lieb sind, gibt es in der Tat zunehmende Spannungen. In Grabois´ Urteil, hat "das erstere seine Substanz verraten hat, um sich selbst in eine Abfolge von Ritualen oder Touristenaktivitäten für Aktivisten zu verwandeln."

Während die Letzteren, die vom Papst gesegneten Bewegungen, heute nur dazu fähig wären, "die gemeinsame Organisation der Ausgeschlossenen von Grund auf dabei zu fördern, die humane Alternative zur ausgrenzenden Globalisierung aufzubauen." Sogar auf Kosten einer Entfernung von den "strikten Grenzen der offiziellen Demokratie" und der Akzeptanz von Praktiken, die von Staaten als kriminell betrachtet werden könnten."


Quelle: Settio Cielo, Sandro Magister

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