Dienstag, 10. Oktober 2017

Pater Spadaro hat eine Rede zu Fragen um Amoris Laetitia, die Morallehre und die Behauptung, daß 2+2=5 sein kann, gehalten. Maike Hickson kommentiert das.

Maike Hickson fragt sich bei OnePeterFive, ob Papst Bergoglio direkt oder indirekt auf eines der dubia und eine der Fragen Professor Seiferts geantwortet hat.
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"HAT DER PAPST GERADE SOWOHL PROF. SEIFERT ALS AUCH AUF EINES DER DUBIA GEANTWORTET?"

"Wie wir jetzt wohl alle wissen, ist Papst Franziskus ein wenig schüchtern, wenn es darum geht, ehrliche Fragen, die ihm über seine Morallehre gestellt werden, direkt zu beantworten.
Bisher hat er auf keine der "filialen" und gelehrten Appelle geantwortet, nicht einmal auf einige höflich vorgeschlagenen Korrekturen. Aber man weiß auch, daß er es liebt, durch drei seiner engsten Ratgeber zu sprechen: Erzbischof Manuel Fernández, den Journalisten Andrea Tornielli, und Pater Antonio Spadaro S.J. (Herausgeber der vom Vatican approbierten Zeitung Civiltá Cattolica)

So hat letzterer Jesuit jetzt noch einmal gesprochen und er hat auf solch eine Weise und mit solchen Worten gesprochen, daß man den Eindruck bekommen kann, daß er-indem er teilweise den Papst zitiert- gerade der drängenden und akuten Frage, die Professor Seifert gestellt hat, die zufällig  mit einem der fünf dubia der vier Kardinäle übereinstimmt.

Am 6. Oktober hat Pater Spadaro in den USA bei einer vom Boston College der Jesuiten mit der unterstützenden Mitwirkung der Kardinäle Blase Cupich und Kevin Farrel veranstalteten Konferenz eine Rede gehalten. Thema der Konferenz war das päpstliche Dokument "Amoris Laetitia" und das zielte anscheinend darauf ab, einige der widerständigeren US-Prälaten bzgl, dieses Dokumentes zu instruieren und zu korrigieren. Wie Joshua McElwee vom National Catholic Reporter an diesem Tag
schrieb:

"Ein italienischer Jesuiten-Priester, der als Vertrauter von Papst Franziskus bekannt ist, sagt, daß der Pontifex denkt, daß die Katholische Kirche nicht länger allgemeine Regeln aufstellen kann, die auf alle Arten von Menschen zutreffen."

Diese Äußerung ist in sich selbst ziemlich beunruhigend, um das mindeste zu sagen, weil sie eine direkte Antwort - im Namen des Papstes- zu sein scheint,  auf Professor Josef Seiferts dringende Forderung an den Papst, zu beantworten, ob er - nach dem was er in Amoris Laetitia geschrieben hat- noch glaubt, daß es absolute moralische Normen gibt, oder Standards, die immer und auf jeden Fall zutreffen, oder ob es keine in sich böse Handlung als solche mehr gibt.
(Die selbe Frage war im Wesentlichen eines der fünf dubia, die von den vier Kardinälen geäußert wurden)
Wenn nicht, so argumentierte der österreichische Philosoph, wird sich die Katholische Kirche der Zerstörung ihres gesamten Moralgebäudes gegenüber sehen und schwer daran leiden und so dem moralischen Relativismus die Tür öffnen. Er benutzte in diesem Kontext sogar, das Bild von einer "moralischen Atombombe" und zeigten, daß folglich sogar so schlechte Taten wie eine Abtreibung  oder Vergewaltigung leichter Ausnahmen und Abweichungen davon finden können, um verbal verdammt und wirklich bestraft zu werden.

Außerdem bezog sich Professor Seifert auf diese laxe Argumentationslinie, als er den § 303 aus "Amoris Laetitia" zitierte, nach dem es Gelegenheiten geben kann, in denen irreguläre Paare in einer sexuellen Beziehung feststellen, daß Gott an diesem Punkt möchte, daß sie diese sündhafte Beziehung weiterführen.
Und so- hat Seifert den Finger auf einen speziellen Aspekt gelegt- und nur eine spezifische Frage gestellt.

Pater Spadaro scheint ihm zu antworten. Nach dem Bericht von McElwee sagte Spadaro auch, daß das Dokument anerkennt, daßman sogar in "irregulären" Familien-Situationen- wie Scheidung und Wiederverheiratung-"in Gottes Gnade leben können und lieben und auch in einem Leben in Gnade wachsen kann."
Immer noch den Papst zitierend, sagte Spadaro auch:

"Wir müssen schließen, daß der Papst realisiert, daß man nicht länger über eine abstrakte Kategorie von Mensch sprechen kann...eine Praxis der Integration in eine Regel, die absolut in jeder Lage zu  befolgen ist" sagte Spadaro, der einer der Ersten war, die Franziskus 2013 als Papst interviewten.
"Weil der Grad von Verantwortung nicht in allen Fällen gleich ist, müssen die Konsequenzen und Wirkungen einer Regel nicht notwendigerweise immer gleich sein" sagte er.




So scheint es, als ob diese Äußerungen von Pater Spadaro eine direkte - und obstinate- Antwort auf die von Professor Seifert ausgelöste Diskussion ist. Aber sogar wenn sie keine direkte Antwort auf Professor Seifert war, sondern letzte Woche nur seine Argumente und Fragen wiederholten- so bestätigen sie sicher doch seine schweren Sorgen und sein Alarmgefühl.

Sollte jemand im Hinblick auf die Zuverlässigkeit des McElwee-Berichte Zweifel haben, bedenken wir. daß Pater Spadar selbst offen diesen Artikel McElwees mit dieser sehr beunruhigenden Botschaft retweete:  
@antoniospadaro tells @BostonCollege event pope thinks you can’t issue general rules for whole categories of people.” 
"Antonio Spadaro sagte beim Boston-College-Ereignis, daß der Papst denkt, daß man keine allgemeinen Regeln aufstellen kann. die für alle Arten von Menschen gültig sind"

Spadaro selbst hatte am selben Tag seine eigene nominalistische Twitter-Botschaft geschrieben
in der sagt: "Jeder Fall ist einzigartig. Man kann weder eine allgemeine Regel aufstellen, die auf alle zutrifft, noch eine Kasuistik der Unterscheidung konstruieren# Amoris Laetitia"

Pater Spadaro benutzt hier überraschenderweise als "meme" noch einmal das 2+2=5 Bild, trotz starker Kritik an dieser Idee, daß in der Theologie 2+2 manchmal fünf sein kann und sogar angesichts der Kritik von Kardinal Gerhard Müller, damals noch Präfekr der Glaubenskongregation 
Die OnePeterFive-Mitarbeiterin Hilary White hatte einen guten Satz von verschiedenen Antworten auf diese Spadaro-Behautpung, der auch die eigenen Sorgen Professor Seiferts einbezieht: 

  "Wenn das wahr ist, dann sind die Zehn Gebote, die Seligpreisungen, die Bergpredigt alle                      bedeutungslos. Das ist Bergoglianismus wie er im Buche steht."

   "In der Tat, wenn das wahr ist, dann gibt es keine Wahrheit, Nichts ist wahr, einschließlich der               Idee, daß nichts wahr ist. Der Anti-Rationalismus frißt sich selbst."

   "Wenn jeder Fall getrennt beurteilt wird und es kein Moralgesetz gibt, kann ich einen Sklaven              kaufen?"

    "Kann ich die Umwelt verschmutzen? Kann ich Arbeitnehmer betrügen?" 

Das ist die Ernte und das sind die faulen Früchte des Nominalismus.

So scheint es, daß Papst Franziskus und seine Ratgeber und engen Vertrauten jetzt auf ihrer irrigen Doktrin und Pastorallehre bestehen, die alle moralischen Diskurse und Strukturen der größeren Lehre der Kirche von Grund auf unterminieren.

Sollte irgendwer Spadaro widersprechen und sagen, daß Spadaro hier nicht für den Papst spricht (obwohl er das selbst behauptet), sollen die Leute vortreten und bereit sein, diese schwerwiegenden Äußerungen eines Mannes zu korrigieren, der oft permissiv in seinem Namen spricht. 
Der Papst hätte jetzt die moralische Pflicht, das zu tun, sonst würde er Komplize werden- nicht nur Tolerierer.

Hoffen wir, daß die beiden verbleibenden Dubia-Kardinäle jetzt klarer sehen, daß diese Art Antwort von Pater Spadaro eine Art Verdoppelung und verhärtete Sturheit auf Seiten von Papst Franziskus selbst ist, die ebenfalls nach einer brüderlichen Korrektur verlangen.
Möge diese zusätzliche Korrektur loyal schon diese Woche kommen. 
Weil : genug ist genug, besonders wenn wir ein moralisches Erdbeben kommen sehen und fühlen.

Update: Kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels hat Andrew Guernsey uns freundlicherweise übersetzte Zitate aus einem heute von La Repubbliccas Scalfari veröffentlichten Artikel geschickt, dem Papst Franziskus wiederholt Interviews gewährte-und so seinen päpstlichen Zitaten Glaubwürdigkeit verlieh. Guernsey weist in seinem Artikel, der Zitate von Papst Franziskus enthält, darauf hin, daß dieser Artikel bereits "halboffiziellen" Vatican-Organ IlSismografo  übernommen wurde.
In diesem neuen Artikel zitiert Scalfari Papst Franziskus mit Worten, die jetzt direkter die Angst begründen, daß Papst Franziskus eine Art moralischen Relativismus verteidigt:

Scalfari zitiert Franziskus : "Wir Gläubigen und natürlich vor allem wir Priester und wir Bischöfe glauben an das Absolute, aber jeder auf seine eigene Weise, weil jeder seinen eigenen Kopf und seine eigenen Gedanken hat. Also ist unsere absolute Wahrheit-die wir alle teilen- von Person zu Person verschieden. Wir vermeiden Diskussionen nicht, wenn unsere versschiedenen Gedanken einander widerprechen. Also gibt es auch unter uns eine Art Relativismus."

Quelle: OnePeterFive, Maike Hickson

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