Donnerstag, 15. Juni 2017

Erstaunliches an Fronleichnam

Heute ist bekanntermaßen Fronleichnam und eigentlich schwebt mir schon lange ein böser Beitrag über diverse hochwürdige Merkwürden vor, aber der wird noch  warten müssen, weil wir ja auch genug Beiträge über diese Seltsamkeiten schon veröffentlicht haben.
Die Prozession hat mich mild gestimmt, obwohl  sie nichts irgendwie besonderes, beeindruckendes oder gar bemerkenswertes gehabt hat, weder im Guten noch im Schlechten, ganz normale Fronleichnamsprozession im Gebiet katholischer Diaspora, wo die Gemeinde hauptsächlich aus Leuten besteht die dir erzählen, dass bei ihnen zuHause eh alles besser ist, besonders die Kirche.
Aber ich hatte vorher auf die Seite mit dem Messtexten geklickt und da zu  meinem größten Erstaunen die alte Fronleichnamssequenz gefunden, hier klicken

heißt es da komplett eindeutig,

Wer ihm nahet voll Verlangen, / darf ihn unversehrt empfangen, / ungemindert, wunderbar.
Einer kommt, und tausend kommen, / doch so viele ihn genommen, / er bleibt immer, der er war.
Gute kommen, Böse kommen, / alle haben ihn genommen, / die zum Leben, die zum Tod.
Bösen wird er Tod und Hölle, / Guten ihres Lebens Quelle, / wie verschieden wirkt dies Brot!


und damit dann keiner auf dumme Gedanken kommt geht es dann weiter mit 

Seht das Brot, die Engelspeise! / Auf des Lebens Pilgerreise / nehmt es nach der Kinder Weise, / nicht den Hunden werft es hin!

ich muss gestehen ich kannte das so nicht, und fand immer das "Lobe Zion deinen Hirten" dass ja nach der Sequenz der Thomas von Aquin gedichtet ist, sei sozusagen dessen Original Ton, aber wie man hier sieht, ist das -wen wundert es schon, behandeln unsere Kirchenoberen uns, geistig gesehen, eh wie kleine dumme empfindliche  Kinder -  die entschärfte Version. Sozusagen die Kinderversion, Die Erwachsenenversion der Fronleichnamssequenz lautet: 


Deinem Heiland, deinem Lehrer, / deinem Hirten und Ernährer, / Sion, stimm ein Loblied an!
Preis nach Kräften seine Würde,/ da kein Lobspruch, keine Zierde / seinem Ruhm genügen kann.
Dieses Brot sollst du erheben, / welches lebt und gibt das Leben, / das man heut‘ den Christen weist.

Dieses Brot, mit dem im Saale / Christus bei dem Abendmahle / die zwölf Jünger hat gespeist.
Laut soll unser Lob erschallen / und das Herz in Freude wallen, / denn der Tag hat sich genaht,
Da der Herr zum Tisch der Gnaden / uns zum ersten Mal und geladen / und dies Mahl gestiftet hat.

Neuer König, neue Zeiten, / neue Ostern, neue Freuden, / neues Opfer allzumal!
Vor der Wahrheit muss das Zeichen, / vor dem Licht der Schatten weichen, / hell erglänzt des Tages Strahl.

Was von Christus dort geschehen, / sollen wir fortan begehen, / seiner eingedenk zu sein.
Treu dem heiligen Befehle / wandeln wir zum Heil der Seele / in sein Opfer Brot und Wein.
Doch wie uns der Glaube kündet, / der Gestalten Wesen schwindet, / Fleisch und Blut wird Brot und Wein.

Was das Auge nicht kann sehen, / der Verstand nicht kann verstehen, / sieht der feste Glaube ein.
Unter beiderlei Gestalten / hohe Dinge sind enthalten, / in den Zeichen tief verhüllt.
Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise, / doch der Herr bleibt gleicherweise / ungeteilt in beider Bild.

Wer ihm nahet voll Verlangen, / darf ihn unversehrt empfangen, / ungemindert, wunderbar.
Einer kommt, und tausend kommen, / doch so viele ihn genommen, / er bleibt immer, der er war.
Gute kommen, Böse kommen, / alle haben ihn genommen, / die zum Leben, die zum Tod.
Bösen wird er Tod und Hölle, / Guten ihres Lebens Quelle, / wie verschieden wirkt dies Brot!

Wird die Hostie auch gespalten, / zweifle nicht an Gottes Walten, / dass die Teile das enthalten, / was das ganze Brot enthält.
Niemals kann das Wesen weichen, / teilen lässt sich nur das Zeichen, / Sach‘ und Wesen sind die gleichen, / beide bleiben unentstellt.

*Seht das Brot, die Engelspeise! / Auf des Lebens Pilgerreise / nehmt es nach der Kinder Weise, / nicht den Hunden werft es hin!
Lang im Bild war‘s vorbereitet: / Isaak, der zum Opfer schreitet; / Osterlamm, zum Mahl bereitet; / Manna nach der Väter Sinn.

Guter Hirt, du wahre Speise, / Jesus, gnädig dich erweise! / Nähre uns auf deinen Auen, / lass uns deine Wonnen schauen / in des Lebens ewigem Reich!
Du, der alles weiß und leitet, / uns im Tal des Todes weidet, / lass an deinem Tisch uns weilen, / deine Herrlichkeit uns teilen. / Deinen Seligen mach uns gleich!

dennoch sollten wir allen Besorgnissen zum Trotz die letzte Zeile nicht vergessen, Jesus der Christus die zweite Person der göttlichen Dreifaltigkeit weiß alles, und sie weiß auch, dass wir hier im "Tal des Todes" wie es auch im Psalm heißt leben. Er weiß dass wir die sind, die im Schatten des Todes wohnen, Er kennt uns und er weiß und wir durften heute mit ihm gehen, also genauer gesagt er ist mit uns gegangen!

So wollen wir uns einfach freuen, dass Fronleichnam ist, nicht vergessen, dass die reale Anwesenheit Christi, der dazu Gott ist, in der Hostie, eine Sache ist, die man nicht so leicht einsieht, auch und wenn sie andererseits das logischste und beste ist, wenn man es denn geschafft hat zum Glauben zu kommen.
Die Kirche baut sich durch die Eucharistie auf. Es ist nicht so, dass die Kirche eine Vereinigung netter Leute ist, die dann sozusagen das durch die Teilnahme an der Eucharistie bezeugen, nein rumgedreht die Eucharistie schafft die Gemeinschaft der Gläubigen und ob die nun nette Leute sind, und sich gut verstehen, das ist gar nicht das Kriterium.

Davon aber wiederrum abgesehen ist es so, dass, wie Gertrud von LeFort in ihrem Hymnen an die Kirche dichtet, auch alle die sie schmähen nur von ihr leben.
Gertrud von LeFort sagt zur Kirche
.....
Du hast tausend Wunden, daraus strömt dein Erbarmen, du segnest all deine Feinde, 
Du segnest noch, die es nicht mehr wissen........
Die Irrenden gehen nicht unter, weil du noch den Weg weist, die Sünder werden verschont, weil du noch betest,..
Wenn du einen Tag verstummtest, so würden sie auslöschen,.... denn um deinetwillen lassen die Himmel den Erdball nicht fallen
Alle die dich lästern leben nur von dir
und so preist sie die Kirche mit wunderschönen Worten und zu Fronleichnam lässt sie die Kirche dann aber sagen:

Ich weiß viele Worte, ihr Menschen, aber heute müßt ihr knien -
Eure Knie sind eure Flügel!


P.S Ich kann das Büchlein der Gertrud von LeFort "Hymnen an die Kirche" nur wärmstens empfehlen, der Echter Verlag hat es 2014 neu herausgegeben hier klicken ansonsten kann man antiquarisch fündig werden.

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