Samstag, 21. Januar 2017

Gibt es bereits ein Schisma oder steht es bevor? Historische Überlegungen von A. Gagliarducci

A. Gagliarducci setzt sich bei MondayVatican ausführlich mit der aktuellen Lage in der Kirche, nach Amoris Laetitia und den "dubia" auseinander und vergleicht die von nicht wenigen als veritables "verdecktes Schisma" beschriebene Situation mit den geschichtlichen Voraussetzungen und geopolitischen Umständen bei den bisherigen historischen Schismen. Und entfaltet den interessanen und bedenkenswerten Gedanken, daß wenn es ein Schisma gibt, es dieses mal auf Grund der geopolitischen, sozio-ökonomischen und kulturellen Entwiklung von Latein-Amerika ausgeht.
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          "PAPST FRANZISKUS: ÜBER DAS VERDECKTE SCHISMA HINAUS" 

"Die am 13. Januar veröffentlichte Lineamenta für die kommende Synode für die Jugend haben den Weg für einen Zugang zu Synode bereitet. Vieles hat sich seit den Zeiten geändert, als man dachte, daß die Bischofs-Synode der Kurie zu mehr Geltung verhelfen würde- der Chairman des ersten Treffens der Leiter der Dikasterien unter Papst Franziskus war Kardinal Baldisseri, Generalsekretär der Bischofssynode.
In der Zwischenzeit kursierte das Gerücht über eine größere Rolle der Bischofssynode bei Papstwahlen-auf Basis eines Plans Papst Pauls VI. Im Augenblick scheint nichts derartiges im unmittelbaren Angebot zu sein. Die Synode wird lediglich zu einer Gelegenheit zur Diskussion und für den Papst zu einer Entschuldigung Themen auf seine Weise anzugehen.

Die Debatte nach den Familien-Synoden
Das wird durch die Diskussion bewiesen, die über das Thema der wiederverheirateten Geschiedenen entstand, das über die Interpretation einer Fußnote in "Amoris Laetitia" Feuer fing und in der Veröffentlichung der "dubia" der vier Kardinäle gipfelte.
Diese Veröffentlichung zeigte, daß es innerhalb der Vatican-Welt ein breitgefächertes Meinungsspektrum gibt. obwohl fast alle die traditionelle Lehre bewahren wollen.
Unter denen sind auf der einen Seite die, die alle in den dubia angesprochenen Fragen teilen, die sei aber nicht öffentlich gemacht und vorsichtiger gehandelt hätten. 
Auf der anderen Seite sind die- die wie die Kardinäle,die die dubia vorgebracht haben- denken, daß zum  Wohl der  Kirche eine Klärung nötig ist und daß diese Klärung direkt vom Papst kommen muß.

Beide Positionen sind legitim. der zweite Standpunkt wird sowohl von vielen Kardinälen und Bischöfen als auch Priestern geteilt, die nicht wissen, wie sie die geforderte Differenzierung bei den wiederverheirateten Geschiedenen anwenden sollen. Für den mainstream schienen die dubia nur ein dialektisches Thema zu sein, losgelöst vom Volk Gottes. n 
Tatsächlich sind die Themen pragmatisch und -weil sie im Zweifel sind ergreifen viele Priester entweder die Initiative, die sie irgendwie von der Kirchenlehre entfernt oder sie hängen ihre Initiative an diese Lehre an, ohne die kreative Fähigkeit, sie realen Situationen anzupassen.




Werden Korrekturen die Spaltung entzünden?
Weil der Papst noch nicht auf die "dubia" geantwortet hat, denken die unterschreibenden Kardinäle über die Möglichkeiten einer formalen Korrektur des Papstes nach. Wenn es aber eine formale Korrektur gibt, wird sie nicht so durchgeführt werden, wie sie bisher verstanden wurde.
Kardinal W. Brandmüller, einer der Unterzeichner, sagte, daß diese Korrektur im Privaten geschehen solle, andere aber denken, daß das auch öffentliche gemacht werden könne.
Beide Wege werden kein Schlag ins Gesicht des Papstes sein. 
Es wird sich einfach um eine theologische Antwort auf die in den dubia gestellten Fragen handeln.
De facto hat die Glaubenskongregation schon vor einigen Jahren auf ähnliche Fragen eines französischen Priesters geantwortet, wie vor einiger Zeit auf der offiziellen website des Vaticans veröffentlicht.
So gibt es am Ende schon eine Antwort auf die "dubia" und die Korrektur der vier Kardinäle würde sich von ihr nicht sehr unterscheiden.
Ob veröffentlicht oder nicht, jede Initiative in diesem Sinne, kommt aus der Notwendigkeit am Ende die konfuse Situation zu entwirren, indem man eine faire Antwort gibt, die die Dinge in Ordnung bringt und die Doktrin stärkt. Am Ende ist es die Doktrin, die die Kirche eint und den tiefen Grund dafür liefert, warum es eine Einheit mit Petrus geben muß.  Sogar das Vorankommen der Örtskirchen entsteht aus ihrer Union mit Petrus. Sonst kann es ein Schisma geben.

Die Sorge über ein verdecktes Schisma
Die Diskussion, die dem Zweiten Vaticanischen Konzils folgte. konzentrierte sich oft auf ein verdecktes Schisma fokussierte, also ein Schisma daß das Leben der normalen Katholiken von der Katholischen Lehre abspaltet. Jene, die davon sprachen, wollten eine Kirche, die mehr mit den säkularen Themen übereinstimmte, der modernen Zeit verständnisvoller gegenüber steht und weniger in den fast unerreichbaren Idealen der Kirche.
Diese Worte und Ziele tauchten fast unverändert während der Debatten um die beiden Familiensynoden wieder auf- bei den Bischöfen, die im Namen einer größeren Inklusivität innerhalb der Katholischen Kirche eher einer Agenda der Barmherzigkeit zuneigten, wie z.B.  die von Kardinal R.Marx angeführten deutschen Bischöfe.

Das verdeckte Schisma ist dem "pragmatischen Schisma" gleichwertig , das andere Kardinäle befürchten, wie Kardinal Müller in einem Interview des letzten Jahres. Vor kurzem wurde die Möglichkeit eines Schismas in der Lateinamerikanischen Kirche in einer Analyse angesprochen, die auf der ital. website "Campari & Maistre" veröffentlicht wurde.

Ist alles für ein Lateinamerikanisches Schisma vorbereitet?
Der Text unterstreicht, daß die großen Schismen, die in der Katholischen Kirche vorkamen hatten eine teilweise historisch-politische Basis und einen ersten Grund, der "anthropologisch und kulturell" war. Z.B. fand das Orthodoxe Schisma nach einem Doktrin-Streit statt, aber de facto ging es darum, wie "die Familie, soziale, juristische und politische Strukturen" gehandhabt werden sollten, die sich von der in der Lateinischen Welt unterschied. Das  Schisma wurde vollzogen, als der Reifeprozess der Slawischen Gesellschaft abgeschlossen war.

Sogar das Calvinistische, Lutherische und Anglikanische Schisma fanden fast gleichzeitig statt-während des 16. Jahrhunderts: sie hatten alle "verschiedene historische und politische" Voraussetzungen, aber sie begannen, als eine "Angelsächsische Welt" von Grund auf von der Katholischen Welt unterschied- darin, wie sie die Gesellschaft wahrnahmen, vom Zivilrecht bis zum Familienrecht bis zum Leben in der Gemeinschaft". Diese Unterschiede entwickelten sich erst zu einem Schisma, als die geopolitischen Grenzen und Unterschiede eine endgültige Form annahmen.

Jetzt- hier geht die Analyse weiter- "wird die Latein-Amerikanische Welt durch eine spezifische Weise von Scham aus einem politischen, sozialen und religiösen Gesichtspunkt " charakterisiert und r Jahrhunderte nach der Kolonisierung bewegt es sich auf eine "neue Doktrin Christlichen Ursprungs, die sich mit Protestantismus und Marxismus mischt-zusammen mit Elementen kolonialen Katholizismus`".
Aus diesem Grund war die Latein-Amerikanische Welt einer besonderen Überwachung unterworfen-wegen der Tendenz, die der Befreiungstheologie entstammte , wegen des Ausblutens des Katholizismus zugunsten von Sekten und wegen der Probleme einer Kirche, die immer ins politisch-soziale Rahmenwerk eingebunden war, weil nur die Kirche immer die Autorität und .... besaß, die nötig war, um auf Seiten der Armen zu sein.

Nach dem Artikel, hat Latein-Amerika "jetzt alle Elemente für ein Schisma: zuerst, wegen eines politisch wichtigen Trends sowohl im Klerus als auch in der Gesellschaft, die einer neuen Interpretation der Christlichen Lehre folgt, die sich von der seit 2000 Jahren von der Katholischen Kirche praktizierten unterscheidet; zweitens weil- wie es mit den Slawischen und Angelsächsischen Völkern passierte- die Latein-Amerikaner auch einen Prozess einer breiten sozio-kulturellen Entwicklung, auf einem homogenen und also geopolitischen Territorium- die dann in einen theologischen Diskurs übersetzt wird, der potentiell schismatisch ist.

Papst Franziskus, ein Latein-Amerikaner

Ist das wirklich die Ära, in der wir leben? Sicher, Papst Franziskus repräsentiert diesen Lateinamerikanischen Trend, der seine Würde sucht und die Tatsache, daß er die "Theologie des Volkes " akzeptierte, machte ihn zu einem Mann des Kompromisses zwischen marxistischen Exzessen der Befreiungstheologie und der Volksfrömmigkeit, die die einzige Glaubensstärke eines Kontinentes in Bewegung repräsentiert.
Papst Franziskus´ Reden, besonders die vor den  Volksbewegungen gehaltenen, sind Teil der Agenda, die-auf die eine oder andere Weise- Teil der Latein-Amerikanischen Kirche und ihrer außerordentlichen Nähe zu einem Volk war, das immer noch Schwierigkeiten durchlebt.

Gleichzeitig sind die Sympathien, die Papst Franziskus in der säkularen Welt auslöst, auch die Sympathien derer, die wollen, daß die Kirche weniger mit den Mächtigen der Welt redet, die sie durch die aktuelle Weltsituation "entkörperlicht" wird und auf eine Art NGO reduziert, die für die Armen spricht, eine Kirche, die Werke vollbringt, der auf breiter Basis zugestimmt wird aber gleichzeitig eine, die auf auf internationaler Ebenes auf eine Randstimme geschrumpft ist,#
Papst Franziskus scheint das Ziel zu treffen, wenn er sagt, daß die Kirche keine barmherzige NGO ist, was er von Anfang seines Pontifikats getan hat.

Der sichere Hafen der Doktrin 

Nichtsdestoweniger -wenn da eine Sache ist, die die Katholische Kirche zusammengehalten hat, trotz aller sozialen und politischen Turbulenzen , die die Welt erschüttert haben, ist das ihr vollständiges Beharren einer einzelnen, einzigen und offenbarten Lehre.
Die Kirche hat überlebt, weil sie ihren Blick immer auf Jesus gerichtet hat, das eine, was ein wirkliches Christliches Leben ausmacht, wie Papst Franziskus kürzlich während einer Messe in Domus Sanctae Marthae wiederholte. Aus diesem Grund wollte Papst Benedikt XVI, daß die Worte "in Ihm"  dem Motto der CELAM-Konferenz 2007 hinzugefügt wurden, das vorher einfach nur lautete: "Jünger und Missionare Jesu Christi , damit unsere Menschen das Leben haben."
Dieses Dokument ist auch ein Bezugspunkt für Papst Franziskus.

Wenn das soziale und politische Schisma fast vollendet ist , ist es auch wahr, daß es eine Lehre gibt, die erhalten werden muß und daß jeder versucht, das auf die richtige Weise zu tun. Hier kommen wir jetzt auf Amoris-Laetitia- Botschaft zurück und die Art, wie die dubia ausgedrückt werden.
Zu denken, daß die dubia privat hätten bleiben müssen, bedeutet nicht, daß die Fragen nicht gültig sind. Es bedeutet, über die Opportunität eines solchen Zuges nachzudenken. Es bedeutet zu versuchen, zu verstehen, ob in diesem allgemeinen Klima die Schaffung von Bedingungen für einen Doktrin-Konflikt der strategisch richtige Schritt ist oder nicht, ob ein solcher Zug einige der aktuellen Trends, die  jeden beunruhigen, nicht beschleunigt.
Wir befinden uns in einem großen Moment des Übergangs, der noch definiert werden muß."

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci

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