Sonntag, 15. März 2015

Kein Freitag, der 13.: Ein Kardinal zum Freuen.

Das Timing hat voll gepasst: Als Michael Ragg seine Domspatz Soiree mit dem Kurienkardinal Paul Josef Cordes ankündigte, konnte noch niemand wissen, welchen aktuellen Bezug dieser Abend nehmen würde. Es war ja gerade ein paar Tage her, dass Kardinal Cordes einen Leserbrief in der Tagespost schrieb und sich darin mit der deutschen Sicht auf die wiederverheirateten Geschiedenen und die Aussagen von Kardinal Marx zum Ende der Bischofskonfernz auseinandersetzte. Der Leserbrief wurde nicht nur in der deutschen katholischen Welt diskutiert, er fand auch internationale Beachtung, z.B. hier. oder auch bei uns.
Gute Voraussetzungen also, um den großen Pfarrsaal von St. Philipp Neri in M-Neuperlach zu füllen.

Natürlich drehten sich die Gespräche vor der Veranstaltung um diesen Leserbrief und es war interessant zu erfahren, dass der Münchner "Oberhirte" derzeit bei seiner Herde nicht sonderlich beliebt ist, um es mal vornehm auszudrücken. Einige meinten, er sei eher ein Manager, der nur in der Welt herumreist und sich nicht um sein Bistum kümmert. Diese Meinung scheint also weiter verbreitet, als bisher angenommen. Und es ist doch sehr schön, zu sehen, dass man mit diesem Eindruck nicht alleine steht.

So durften wir uns alle auf einen "Bericht aus Rom" freuen. Kardinal Cordes, der ja in seiner Zeit in Rom 3 Päpste erlebt hat, wurde mit großem Beifall begrüßt. 

Und es versprach, ein interessanter Abend zu werden, denn als „Insider“ wusste Kardinal Cordes viel über den Vatikan und die Päpste, denen er begegnet ist, zu erzählen.

Im ersten Teil stellte Michael Ragg dem em. Kurienkardinal Fragen über Rom, den Vatikan, wo Kardinal Cordes in den 70ern hin berufen wurde. Ja, und wir staunten nicht schlecht, als der  Kardinal uns von hart arbeitenden Menschen berichtete, die tagtäglich vollen Einsatz für den Glauben bringen, dabei demütig sind und sehr bescheiden Leben. O-Ton „Es gibt mehr Heilige im Vatikan, als man sich vorstellen kann“.
Nanu? Das hatten wir doch bisher aus der Presse ganz anders erfahren.
Da gab es doch ein Sensationsgeschreibe über all die schrecklichen Geschichten aus der Kurie, berichtet von Mitgliedern des deutschen Episkopats und begierig aufgegriffen, aufgebauscht von den „Qualitätsmedien“. Wäre ja auch nicht so spektakulär gewesen, wenn man einfach berichtet hätte, dass in der Kurie in erster Linie für die Weltkirche gearbeitet wird. Ein weiteres Thema war die Umfrage zum Glauben der Bertelsmann-Stiftung, die zum Ergebnis hatte, dass nur 16,2% der deutschen Katholiken noch an einen personalen Gott glauben. Und der Rest an irgendwas, das da oben zwischen den Wolken schwebt. Kardinal Cordes bestätigte, dass er darüber ziemlich geschockt gewesen sei und stellte sich und uns die Frage, an was diese Leute wohl denken, wenn sie das „Vater unser“ beten .... Eine berechtigte Frage, die dann allerdings offen blieb.

Schön war es, dass der Kardinal dann auf seine Jahre mit den Päpsten Johannes Paul II und Benedikt XVI einging. Über so viele Jahre der Zusammenarbeit gab es viel zu erzählen und auch die eine oder andere Anekdote zu berichten.
Der Kardinal bestätigte die tiefe Gläubigkeit der beiden Päpste, die viel Kraft aus der engen Verbindung zu Gott und dem intensiven Gebet schöpften.
Und was uns „Landsleute“ natürlich besonders erfreute: Zu Benedikt sagte Kardinal Cordes, dass er zu seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation sehr viele Dinge vorausgesehen habe. Und – dass seine Veröffentlichungen nicht nur ein tiefes Glaubenswissen aufzeigen, sondern auch seinen festen Glauben. Und - dass Benedikt einfach genial sei.
Das gab viel Beifall und man hatte den Eindruck, dass es viele doch sehr gefreut hat, einen Mann aus Rom so über den bayerischen Papst sprechen zu hören. Natürlich sprach er auch noch einmal über den unflätigen Umgang der deutschen Medien mit Papst Benedikt, und dass die Angriffe der Medien schon fast diabolisch gewesen seien.  Er räumte auf, mit den Legenden, dass erst der Nachfolger von Papst Benedikt mit den Reformen innerhalb des Vatikan angefangen habe. Vieles, z.B. die Reform der Vatikanbank und des vatikanischen Finanzsystems seien von Benedikt initiiert worden und wurden von Franziskus nur fortgesetzt.

„Sein Thema“ ist aber nach wie vor "Neue Bewegungen", die viel frischen Geist in die Kirche gebracht haben und dass sie eben diese Begeisterung in die Welt hineinbringen und dass ein großer Fehler sei, das auszubremsen. Kardinal Cordes ist der Meinung, dass diese neuen Bewegungen alle Unterstützung brauchen, denn sie leisten heute das gleiche für die Evangelisierung, wie es die Orden in den früheren Jahrhunderten getan haben.
Es gab viel Beifall, immer dann, wenn er ganz klar die Lehre der Kirche vertreten hat ... Also man hatte schon den Eindruck, im Publikum saßen überwiegend "Konservative". Vielleicht gibt es aber auch viel mehr „Konservative“, als die Lautstärke der Progressisten vermuten lässt.

Im zweiten Teil konnten die Leute dann Fragen stellen. Da gab es natürlich sehr spannende Momente. Die meisten Fragen drehten sich um die kommende Synode und das (angeblich wichtigste) Thema der Wiederverheirateten Geschiedenen. Hier vertritt Kardinal Cordes ja eine eher in Deutschland nicht so populäre Meinung: Die Lehre der Kirche. In seinen Antworten meisterte Kardinal Cordes Angriffe immer wieder souverän und wies immer wieder darauf hin, dass es auf der Synode nicht um die WVG und deren Zulassung zur Kommunion geht. Sondern in erster Linie darum, wie man die Familien so stärkt, dass sie den Glauben weitergeben. Anfragen zu einer Änderung „à la Kasper“ beantwortete der Kardinal immer wieder damit, dass man doch seinen Glauben vertiefen soll, mehr beten, sich intensiver mit den Geboten auseinandersetzen soll. Daraus würde man dann schon die Erkenntnisse gewinnen, warum gewisse Glaubenswahrheiten eben nicht geändert werden können.
Spannender waren aber andere Fragen: Ein Mann merkte an, dass Kardinal Cordes noch gar nichts zu Papst Franziskus gesagt hätte. Das erklärt sich, so Kardinal Cordes, daraus, dass die beiden sich niemals persönlich begegnet seien. Auch zu der Zeit, als Papst Franziskus noch Kardinal Bergoglio war, habe er ihn nicht persönlich kennengelernt. Aber, und das kam von Herzen, er bewundere den Papst sehr, wie er die Menschen für sich gewinnen konnte und dass er ein großer Sympathieträger für die Kirche sei, besonders in der säkularen Welt.
Kardinal Cordes berichtete davon, dass schon zu Zeiten von Johannes Paul II es immer sehr voll gewesen sei, zur Generalaudienz auf dem Petersplatz. Und dass man gedacht habe, dass es danach keiner mehr toppen könnte. Aber dann bei Benedikt sei es noch voller gewesen und die Menschenmassen heute seien kaum noch zu überschauen. Er vermutete allerdings, dass das auch daran liegen könnte, dass in den letzten Jahren das Fliegen so billig geworden sei.

Auch für die Gruppierungen, die immer so laut Reformen fordern hatte er einen guten Rat: Wie schön es doch wäre, wenn diese Reformen dahingehend stattfänden, dass die Menschen ihren Glauben vertiefen, mehr beten würden, öfter zur Beichte gingen, dann wäre doch so viel für die Kirche und die Menschen getan, dann bräuchte es weitere „Reformen“ nicht mehr. Das brachte wiederum tosenden Beifall!

Die letzte Frage war dann nicht nur besonders interessant, sondern auch – besonders für uns Münchner sehr aktuell:  Es ging darum, was die Schafe tun sollen, wenn die Hirten in unterschiedliche Richtungen laufen, ob die Schafe dann mitlaufen müssen - auch wenn sie spüren, dass sie auf der falschen Weide sind? 
Die Antwort wirkte wie Donnerhall: Der Kardinal wies uns darauf hin, dass wir doch alle erwachsen seien und die Lehre der Kirche kennen würden. Und wenn mal einer was falsches sagt, sollten wir uns an der Wahrheit Gottes orientieren. Es gab Riesenbeifall ....

 Immer wieder und während des gesamten Vortrages wies Kardinal Cordes daraufhin, dass die Medien bestimmen wollten, was wir glauben sollen ... und dass wir uns nicht darauf einlassen sollen, sondern dass wir uns von der Lehre leiten sollen.
Gleich in seiner Einleitung hatte er davon gesprochen, dass ja Jesus auch nicht dem Mainstream gefolgt sei, und deshalb ans Kreuz genagelt wurde.

Ich muss sagen, dass seit diesem Freitag, dem 13. März meine katholische Welt wieder gerade gerückt ist. Es war ein großes Vergnügen, dem Kardinal zuzuhören und aus seinen Aussagen zu lernen.

Ja, es tut wirklich gut, zu wissen, dass es eben doch noch Kirchenmänner gibt, die es auch sind.

Update:
Nach der Veranstaltung hat Kardinal Cordes dem Münchner Merkur noch ein Interview gegeben, das sehr sehr lesenswert ist. 


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