Dienstag, 12. August 2014

Benedikt XVI und der Islam

Massimo Introvigne schreibt bei La Nuova Bussola Quotidiana, einem gemeinsam von katholischen Journalisten geführten, italienischen Nachrichtenportal :
" Benedikt XVI und der Islam, eine Lehre, die wiederentdeckt werden sollte."
Und man würde sich wünschen, dass der, den es jetzt am meisten angeht, sich sehr genau mit dieser Lehre befaßte! Der DBK und ihren Subalternen könnte die Lektüre auch nicht schaden, scheinen sie doch die Exhortationen des deutschen Papstes nicht gelesen oder nicht verstanden zu haben.
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"Benedikt XVI und der Islam, eine Lehre, die wiederentdeckt werden sollte."

Angesichts der tragischen Ereignisse dieser Tage, in denen sich die Ermordung und Folterung von Christen durch ultrafundamentalistische Islamisten wiederholen,  sprechen viele wieder vom Lehramt Benedikts XVI, der mehr als jeder andere Pontifex die Beziehung zwischen dem Christentum und dem Islam vertieft hat.
Aber nicht alle tun das mit der gebotenen Präzision.
Einige schreiben - so beispielsweise wie üblich die New York Times (Flaggschiff der Diktatur des Relativismus) - daß Benedikt XVI mit der Regensburger Rede vom September 2012 die Muslime verbittert habe und so auf irgendeine Weise mitverantwortlich sei für die Erneuerung des Hasses gewisser Muslime gegen die Christen und insbesondere gegen die Katholiken.
Andere dagegen stellen Benedikt XVI seinem Nachfolger Franziskus gegenüber, indem sie behaupten, daß Papst Ratzinger im Gegensatz zum aktuellen Pontifex- das Gewalt- und Hasspotential des Islam klar benannt habe.
In beiden Fällen geht man das Risiko ein, ein reduziertes Bild Benedikts zu zeichnen, so als ob es sich bei ihm um eine einfache katholische Version von Oriana Fallaci handele, einer Schriftstellerin, die vom deutschen Papst mit Interesse gelesen wurde, aber der er bei einer persönlichen Begegnung sagte- das hat sie selbst verraten- daß er ihren Ausschluss jeden Dialoges mit den Muslimen nicht akzeptieren könne.

Es lohnt sich also, noch einmal die reichen Erkenntnisse Benedikts XVI  zum Islam zu studieren. Seine Lehren gehen nicht  "hinunter wie Öl" aber sie leiten die Kirche auch heute noch an.
Insgesamt hat Benedikt XVI den islamischen Fundamentalismus als eine äußerst schwerwiegende "Perversion des Glaubens" bezeichnet. Es handele sich um einen " bösartigen Fanatismus auf religiösem Boden",  in dem der Glaube die Vernunft negiert, und der nichts anderes ist, als eine "Fälschung der Religion", wie der emeritierte Pontifex am 7. Januar 2013 bei der letzten Begegnung mit dem Diplomatischen Corps in Erinnerung rief, wobei er besonders auf Nigeria, Syrien und Ägypten einging.
Auch andere Religionen, betonte  Benedikt XVI mehrmals, seien durch Fundamentalismus gefährdet, wenn sie den Glauben von der Vernunft trennen und Laien, wenn sie im Namen der Vernunft den Glauben leugnen.

Genau das ist der Punkt im kurzen dem Islam gewidmeten Teil der Regensburger Rede, 
die hauptsächlich eine Rede zu den Problemen des westlichen Europas war: blinde Gewalt entsteht dort, wo ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft fehlt. Der Glaube ohne Vernunft generiert Fundamentalismus, so wie Vernunft ohne Glauben eine Diktatur des Relativismus schafft.



Das Problem der Muslime ist, daß ihnen eine vertiefte Beziehung zwischen Vernunft und Glauben fehlt, ein Fehlen, das die gesamte Geschichte des Islam kennzeichnet und nicht lediglich eine von mehreren Abweichungen ist, es hat seine Wurzeln in der Koran-Überlieferung.
Wenn es also wahr  ist, dass alle Religionen von Fundamentalismus gefährdet sind, haben die Muslime keinen Grund beleidigt zu sein, weil es sich um das Aussprechen einer historischen Wahrheit handelt, wenn sich herausstellt, daß der Islam mehr davon betroffen ist als andere.
Und daß- von Neuem- um mit dem Koran zu beginnen, der Glaube , wenn das Gleichgewicht zwischen Glauben und Vernunft fehlt- dem Risiko ausgesetzt ist, Gewalt zu rechtfertigen und zu fördern.

Gleichzeitig übernimmt aber Benedikt XVI die Lehre seínes Vorgängers, des Hl. Johannes Pauls II, der lehrte, daß der interreligiöse Dialog mit dem Islam eine unverzichtbare Wahl für die Kirche sei.
Kurz bevor sie starb, offenbarte Oriana Fallaci, daß der deutsche Papst ihr, die diesen Dialog für unmöglich hielt,  geantwortet habe daß es sich um einen "unmöglichen aber notwendigen Dialog" handele.

Letztendlich schlug Benedikt XVI immer wieder den Katechismus der Katholischen Kirche als naheliegende Norm für unseren Glauben vor und unter der Nummer 841 liest man im Katechismus- bezüglich der Beziehung zwischen Kirche und Muslimen daß " Ziel der Erlösung auch jene sind, die den Schöpfer anerkennen und unter ihnen zuerst die Muslime, die bekennen, den Glauben Abrahams zu bewahren und mit uns einen einzigen, barmherzigen Gott zu verehren, der am jüngsten Tag die Menschen richtet"

Die apostolische Exhortation Benedikts XVI "Ecclesia in Medio Oriente"  bekräftig mit Klarheit, daß ein Dialog unmöglich wird, wenn von muslimischer Seite versucht wird "im Namen der Religion, Intoleranz, Diskriminierung, Ausgrenzung und sogar Verfolgung zu rechtfertigen."
Verbindet man in diesem Fall die Exhortation mit dem Katechismus, der im Text ausdrücklich empfohlen wird, muss mit Klarheit betont werden, daß angesichzs von Massakern ein legitimes Recht zur Verteidigung entsteht, das sich  nicht nur auf Dokumente beschränkt sondern prinzipiell auch -wenn wir in diesen Zeilen die Schlußfolgerung sorgfältig zitieren, eine militärische Option nicht ausschließt.
Das selbe Dokument bekräftigt , daß getreu der Lehre des II. Vaticanischen Konzils, die Kirche die Muslime mit Wertschätzung betrachtet, die Gott vor allem durch das Gebet, das Almosengeben und Fasten ehren, Jesus Christus, ohne seine Göttlichkeit anzuerkennen, als Propheten verehren und Maria als seine jungfräuliche Mutter ehren."

Als Benedikt XVI diese Exhortation anläßlich seiner Libanonreise 2012 präsentierte, beklagte er die Zerstörungen auf Grund von Verfolgungen, die im Mittleren Orient von einigen, nicht minoritären Gruppen der muslimischen Welt gefördert wurden, aber er erklärte, "daß es in jenem Land immer noch Christen und Muslime gäbe, die in Frieden zusammen lebten, was beweise, daß -auch wenn es nicht leicht sei- Muslime und Christen, der Islam und das Christentum in Frieden, ohne Hass und in gegenseitiger Respektierung ihres Glaubens, in einer freien und menschlichen Gesellschaft zusammen leben könnten."
Bei seiner Reise nach Ankara, am 28. November 2006 , einer Reise, bei der er den Fundamentalismus erneut verdammte, machte Benedikt XVI  "die Worte meines unmittelbaren  Vorgängers  Papst Johannes Pauls II, seligen Angedenkens, zu meinen eigenen, in denen er anläßlich seines Besuches von 1979 sagte:"Ich frage mich, ob es nicht besonders heute, wo Christen und Muslime in eine neue Geschichtsperiode eingetreten sind, dringend wäre, die spirituellen Ketten, die uns verbinden zu erkennen und zu entwickeln."

Der Dialog mit den Muslimen, hat bei dieser Gelegenheit Papst Ratzinger immer gesagt, kann nicht auf etwas Außerplanmäßiges reduziert werden, im Gegenteil,"er ist eine Notwendigkeit, von der in breitem Maße unsere Zukunft abhängt".
So offensichtlich über viele Dinge zerstritten, " legen Christen wie Muslime, die ihren jeweiligen Religionen folgen, die Aufmerksamkeit auf die Würde der Person. Das ist die Basis für unseren gegenseitige Wertschätzung und Respekt"
"Respekt und Wertschätzung" zeigen einen Stil an, aber sie lösen nicht das Paradoxon eines zugleich obligaten und unmöglichen Dialoges auf. Auch, weil der Islam, vor allem der majoritäre sunnitische, keine Hierarchie kennt und man nie weiß, ob jemand, der im Namen des Islam mit der Kirche dialogisiert, die Muslime repäsentiert oder nur sich selbst.
Außerdem ist es bei einem Dialog leicht, in einen Vergleich zu verfallen, der aus unserer westlichen Trennung von Politik und Religion ausgeht, in der politische und religiöse Autoritäten klar unterscheidbar sind. Eine Unterscheidung, die im Islam praktisch nicht nur nicht existiert, sondern auch in der Theorie des größten Teiles der Schulen nicht.

Benedikt XVI kannte diese Probleme gut und hat ihnen viel Zeit und Ressourcen gewidmet, sei es in Recherchen über muslimischen Verhandlungspartner,  sei es außerdem für eine Strategie der Kommunikation, die darin bestand, Botschaften zu lancieren, Analysen und Lösungen vorzuschlagen, in der Hoffnung, daß -wenn vielleicht auch nicht gleich- sie irgendjemanden erreichten, der in der Lage war, sie zu empfangen.
Als er zu den Muslimen der Türkei sprach, hat er nicht verborgen, daß die Probleme Religionsfreiheit, Gewalt und  Respektierung der Rechte der Frauen drei Stolpersteine seien, die die Beziehung zum Islam schwierig machten.  Aber- nachdem er diese Problem richtigerweise frei ansprach - fügte er hinzu : "Dieses ist authentischer Dialog zwischen Christen und Muslimen, der darauf der Wahrheit beruht und vom ernsten Wunsch  inspiriert ist, einander besser kennen zu lernen, dabei die Unterschiede zu respektieren und anzuerkennen , was wir gemeinsam haben. Das wird mit der Zeit einen wirklichen Respekt für die Wahl  mit sich bringen, die jede einzelne Person treffen muß, besonders diejenigen, die an den fundamentalen Werten und den persönlichen religiösen Überzeugungen festhalten.
Als Beispiel brüderlichen Respektes, mit dem Christen und Muslime zusammen arbeiten können, zitiere ich mit Freude einige Worte, die Papst Gregor VII im Jahr 1076 an einen muslimischen Prinzen in Nord-Afrika richtete, der mit großem Wohlwollen gegenüber den Christen, die seiner Jurisdiktion unterworfen waren, handelte. Gregor VII sprach von der besonderen caritas, die Christen und Muslime sich gegenseitig schuldeten, weil wir an den einen Gott glauben, den einen Gott bekennen -wenn auch auf verschiedene Weise-den wir seit Jahrhunderten jeden Tag  als Schöpfer und Herrscher der Welt loben und verehren."

Vielleicht ist es heute schwierig, solchen Prinzen zu begegnen, wie jenem, den Gregor VII lobte.
Dennoch führt uns die Lehre Benedikts XVI  einerseits dazu, nicht die Überzeugungen des blutigen angeblichen Kalifen al-Baghdadi  mit denen der Muslime zu verwechseln, zum anderen ( woran diese Zeitung erinnert hat) zu verstehen, wie diese Positionen nicht aus persönlichen Abweichungen stammen sondern aus einem dem Islam immanenten Risiko , letztendlich aus einer Abfassung des Koran, aus einer nicht geregelten Beziehung zwischen Glauben und Vernunft,- das in der Geschichte des Islams fortgesetzt-und von einem bestimmten Standpunkt aus gesehen fatalerweise-  Fundamentalismus und Gewalt hervorbringt.


Wie auf diese Herausforderung zu antworten ist?  Einerseits damit, die Wahrheit zu sagen,
ohne Taktiererei, auch über den Koran und die Geschichte des Islams, andererseits den Dialog, den unmöglichen aber obligatorischen, fortzuführen und den Muslimen guten Willens zu helfen den unaufgelösten Knoten der Beziehung zwischen Glauben und Vernunft anzugehen und dabei -wie in jedem Dialog zwischen den Religionen- vom religiösen Gefühl auszugehen, das uns allen gemeinsam ist. Wer anders denkt, sollte sich klarmachen, ob ein Atomkrieg mit 1,5 Milliarden Muslimen eine Alternative sein kann."
Quelle:laNuovaBussolaQuotidiana, Massimo Introvigne


Und für alle, die sich nicht auf so lange Texte konzentrieren können,  hier die Kurzfassung der Benedikts-Aussage zum Dialog mit dem Islam:

Die apostolische Exhortation Benedikts XVI "Ecclesia in Medio Oriente"  bekräftigt mit Klarheit, daß ein Dialog unmöglich wird, wenn von muslimischer Seite versucht wird "im Namen der Religion Intoleranz, Diskriminierung, Ausgrenzung und sogar Verfolgung zu rechtfertigen."  

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