Dienstag, 12. Juni 2012

In der Einheit des Heiligen Geistes. Ein franziskanisches Epos auf Schöpfung, Sündenfall und Erlösung von Engel, Mensch und Erde (Teil XIII)


Pfingstsonntag

30. Mai 1982

Pater Eugen Mederlet OFM

Deshalb dürfen wir ruhig in unseren Gebeten ganz still verborgen sein, brauchen unsere Opfer von keinem Menschen gesehen werden. Darum sagt Jesus, die linke Hand soll es nicht einmal wissen.
Und in deinem Kämmerchen, da schaut der Vater hinein. Und das klingt hinein in alles und wirkt überall das Heil. Wenn wir jetzt die heilige Eucharistie feiern, strömt das in die gesamte Schöpfung. Es ist ja das Opfer der ganzen Schöpfung, das Jesus hier darbringt in unserem Herzen, und wir es als unser Opfer, aus unserem Herzen im Schoß der Kirche darbringen. Alles klingt in alles ein. Und dann bekommen wir einmal eine viel geringere Bedeutung als wir meinten. Wir meinen immer, wir müssen Solo spielen, wir wollen immer eine Solo-Geige. Und dann meinen wir: Ich muss es ganz schön machen. Ich muss natürlich wichtig sein, damit meines ebenso gut ist wie das andere. Das muss doch neben dem konkurrieren können. Der spielt so, der spielt ja nur Bratsche, ich will Geige spielen. Ich will die erste Geige! Natürlich, ich muss doch das bessere haben. Weil jeder das Solo spielen will und dann wird er lächerlich. Da muss man ja ständig Pausen spielen.

Deshalb ist er unzufrieden mit sich selbst. Es kommt ihm zu wenig vor. Ich darf viel zu wenig! – Das, was du selbst machen willst, ist so lächerlich wenig. Du bist aufgeblasen, wie es in der Fabel heißt, wie der Frosch, der so groß sein wollte wie der Ochse. Er hat sich halt aufgeblasen, bis er geplatzt ist. Das ist genau unser Stolz. Aber das sind wir alle. Wir alle blasen uns auf, und dann ist nichts da als ein ganz missklingendes Quaken. Da ist die ganze Symphonie zerstört.

Wenn ich aber aufgeben würde, Solo zu spielen, sondern nur meinen schlichten Klang, was jetzt eben in meinem Leben als Beten, als Opfern, als Tun, als Werk gegeben ist, Füße waschen, verborgen, oder Krankheit tragen, ja: die ganze Mühe des Belastetseins, dass ich gar nicht gut sein kann, weil ständig in mir alles nach unten zieht und ich in jedem Gebet nur Zerstreuungen habe – und zu all dem Ja sage, ist dies mein wahrer Einklang in die herrlichste Harmonie. Sie ist aus dem Kreuzesopfer Jesu, aus seinem Lobgesang des Sohnes mein Beitrag, eine Melodie, die ins Ganze hineingehört und 
die im Ganzen nun zum Glanz gelangt.